Druckschrift 
Wir klagen an! : Ein Bericht über den Kampf, das Leiden und das Sterben in deutschen Konzentrationslagern ; Moor, Dachau, Mauthausen, Neuengamme, "Cap Arcona" / von Julius Schätzle, Schutzhäflting Nr. 211
Entstehung
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So kam ich im Januar 1936 wieder in das Stuttgarter Untersuchungs­gefängnis, das allen Stuttgartern unter dem Namen ,, Langer Bau" bekannt ist. Diese Bezeichnung entstand nicht, weil der Bau besonders lang ist, sondern weil es in der Regel lange dauert, bis man ihn wieder verlassen kann. Bei uns währte die Untersuchungshaft nahezu zwei Jahre. Die raffiniertesten und brutalsten Methoden der Gestapo brachten es fertig, Hunderte aktive Antifaschisten auf die Anklagebank zu bringen. Willfährige Richter, die ihr Urteil nicht nach Recht oder Unrecht bildeten, sondern nach dem Befehl der allmächtigen Partei und der Gestapo ausrichteten, verhängten Hunderte von Jahren an Gefängnis und Zuchthaus . Nicht genug damit, daß die Angeklagten nach den drakonischsten Gesetzen, die je ge­schaffen wurden, verurteilt waren, nein, darüber hinaus wurden sie nach ihrer Strafverbüßung nicht entlassen, sondern anschließend in Schutzhaft genommen und in ein Konzentrationslager eingeliefert. Das Bild in meiner eigenen Gerichtsverhandlung veranschaulichte diese Justizkomödie be­sonders drastisch. Vor uns Angeklagten war in würdevoller Aufmachung der Gerichtshof aufgebaut. Hinter uns saß im großen Zuhörerraum ein kleiner Vertreter der Gestapo . Vor ihm zitterten und beugten sich die gelahrten Herren, und der kleine Mann revidierte ihr Urteil durch einen kleinen roten Schutzhaftbefehl. Die älteste Naziparole: Köpfe müssen rollen!" wurde von diesen ,, Rechtswahrern" in die Praxis umgesetzt.

Die Moorsoldaten

Als Strafgefangener kam ich ins Emsländer Moor. Eine öde Landschaft, die sich entlang der holländischen Grenze kilometerlang dahinzieht, sollte ursprünglich vom Arbeitsdienst kultiviert werden. Die Arbeit in dieser trostlosen, ungesunden Gegend kam unter dieser Führung nur schlecht vorwärts. Sehr bald verließ man den nationalsozialistischen Herrenstand­punkt, nach dem ein ,, Zuchthäusler" nicht würdig sei, deutschen Boden zu bearbeiten, und holte sich aus allen Strafanstalten die notwendigen Arbeitssklaven. In 15 Lagern, über das ganze Gebiet verstreut, wurden sie untergebracht und von- und SA.- Männern bewacht.

Bei mangelhafter Kleidung und Unterkunft zogen die Moorsoldaten bei jeder Witterung hinaus, um die schwere und mühevolle Arbeit der Moor­kultivierung durchzuführen. In dem ewigen Regen des Emslandes kamen sie durchnäßt und mit Dreck überzogen abends müde nach Hause, um am anderen Tage wieder in die feuchten Kleider zu schlüpfen, zu neuer Ar­beit und neuer Qual.

Zivilangestellte, die als Meister( im Emsland Kneiske genannt) die Arbeiten leiteten, waren die Antreiber, so wie sie von ihrem Auftrag­gebern gewünscht wurden. Überall wurden unter ihrem Kommando durch das öde Moor tiefe Wassergräben gezogen, neue Straßen gebaut und die

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