Als wir ankamen, waren jedoch nur etwa 300 Mann im Lager. Wir be- zogen die neuen Quartiere mit einigermaßen neuen Kräften und vor allem mit neuen; Hoffnungen, denn das Ende des Krieges mußte nahe sein.
Aber das Leben war auch hier nicht leicht. Das Lager hatte eine sehr ungünstige Lage, es stand auf sumpfigem Gelände, und man mußte, um von der einen Baracke in die andere zu kommen, hölzerne Gehstege benutzen. Unsere Vorgänger waren fast alle einer Bauchtyphus-Epide- mie zum Opfer gefallen. Zu unserem Glück brauchte man in der dama- ligen Zeit jede nur verfügbare Arbeitskraft dringend nötig, und wir bekamen aus diesem Grunde ein einigermaßen gutes Essen und konnten zunächst einmal eine ganze Woche lang auf unseren mit Sägemehl ge- füllten Pritschen ausruhen, bis wir zu einer neuen Arbeit eingesetzt wurden.
Immerhin hatten! wir auch hier einen großen Friedhof vor Augen, auf dem 1500 Häftlinge lagen, die früher in Büsingen oder in anderen Lagern der Umgebung gestorben waren. Nach dem Kriege sind diese Toten von der französischen Militärregierung in würdiger Weise auf einem Ehrenfriedhof in Dautmergen beigesetzt worden.
Die Baustelle, auf der wir arbeiten mußten, war nicht weit vom Lager entfernt gelegen. Doch bevor wir zum Einsatz kamen, hielt uns der Lagerführer eine Rede, die in der Drohung gipfelte:„Wer es wagen sollte, von hier aus zu fliehen, den hänge ich eigenhändig auf. Ich habe in so!chen Dingen eine lange und gute Erfahrung hinter mir. Ich habe schon Tausende aufgehängt und mit Euch Banditen werde ich auch noch fertig werden.“ Im Übrigen war hier das Wachpersonal nicht mehr so einheitlich wie in anderen Lägern. Es waren meist Soldaten, die aus allen Wehrmachtteilen zusammenigewürfelt waren. Es gab viele unter ihnen, die uns anständig behandelten, aber auch Bestien in Menschen- gestalt, wie überall in den Lagern. Von solchen Elementen hatten wir auch in Büsingen , wenige Wochen vor Ende des Krieges, noch manches auszustehen. Einmal machten drei Häftlinge einen) Fluchtversuch, der aber scheiterte. Die drei wurden, nachdem man sie ergriffen hatte, so- lange geprügelt, bis sie nicht mehr aufstanden.
Die Arbeit war schwer. Ich war bei der Firma Lenz und Co. ein- gesetzt und mußte den ganzen Tag lang schwere Eisenbahngeleise schlep- pen. Wer dazu nicht imstande war, wurde geprügelt, bis er zusammen- brach. Wir standen hier unter dem Kommando der Organisation Todt .
Doch die Tage in Büsingen waren| gezählt. Tägliche Bombarde- ments kündigten an, daß die Alliierten nicht mehr weit entfernt sein konnten. Das Lager wurde eines Tages evakuiert, und ich kam mit einem Transport in ein Nebenlager von Dachau , nach Allach.
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