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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
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Komfort in Buchenwald

Buchenwald hatte sogar einen gewissen Komfort. In der Nähe der Küche stand eine große, von einem Hof umgebene braune Baracke, die das Lagerbordell beherbergte. Dort konnten sich die bessergestellten Häftlinge, die Prominenten, die SS -Leute nach ihrer Arbeit amüsieren. Ferner gab es, wie überall, ein Krankenrevier, in dem allerdings nur die politischen Häftlinge von internationalem Rang eine gute Aufnahme und Behandlung fanden. Für diese standen Aerzte und Medikamente zur Verfügung, während für den gewöhnlichen Häftling Krankheit meist gleichbedeutend mit dem Tode war.

Buchenwald war ein kleines Paradies für die Bessergestellten, für die große Masse aber eine Hölle auf Erden. Das Leben war immer wie- der von Appellen unterbrochen, bei denen die allzu sehr Geschwächten aussortiert und in den Tod geschickt wurden. Ein solcher Appell war an sich schon eine ungeheure Strapaze.

Täglich kamen aus dem Osten neue Menschen für die damals noch laufende Kriegsmaschinerie der Deutschen . Mein Aufenthalt in dem be- rüchtigten Lager datiert von den letzten Monaten des Krieges. Nach einer später aufgefundenen Lagerkartei starben in jener Zeit, im Januar i 1945:6 400, im Februar: 5614 und im März: 5479 Menschen, meist an Hunger oder Flecktyphus. Kurz vor dem Einmarsch der Alliierten, zwi- schen dem 7. und 11. April, wurden außerdem noch 6 000 Häftlinge er- schossen. Die einrückenden Truppen fanden Hunderte von Leichen und bis aufs Skelett abgemagerte Sterbende. So hatte z. B. von 700 norwe- gischen Juden, die seit 1942 im Lager Buchenwald waren, ein einziger nur die Befreiung erlebt. Bei den anderen Nationalitäten; war das Verhältnis der Überlebenden ähnlich, die meisten Opfer brachten die polnischen Ju- den. Ich selber entging diesem Schicksal, weil ich eines Tages, kurz vor Toresschluß noch, zum Abtranspor: in ein anderes Lager aussortiert wurde.

Konzentrationslager Büsingen in Hohenzollern

Nachdem im großen Kino von Buchenwald Tausende von gesunden Häftlingen zum Abtransport ausgesucht worden waren, wurden wir wie- der zu je 80 Mann in Waggons verladen und nach Süddeutschland ge- schickt. Die Reise dauerte wiederum vier Tage und vier Nächte, Unser\ Ziel war das Lager Büsingen : in Hohenzollern , das inmitten von anmuti- gen Tälern in einer landschaftlich sehr reizvollen Umgebung gelegen war. Von Ferne sah manl das Stammschloß der Hohenzollern . Das Lager war j erst vor zwei Jahren errichtet worden und bestand aus zehn großen, pferdestallähnlichen Baracken, in denen 1500 Häftlinge hausen mußten.

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