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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
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Wenn vielen dieser Wunsch auch erfüllt wurde, so blieben manche doch am Leben. Endlich bekamen wir die langersehnte erste Portion Essen im Lager Buchenwald . Hier gab es eine wirklich ordentliche Küche, wenn die Portionen auch klein waren. Aber wir stellten keine großen Ansprüche nach allem, was wir bisher erlebt hatten. Uns, die wir noch kräftig genug waren, das Essen in Empfang zu nehmen, gab es neue Kraft. Andere waren selbst dazu zu schwach und starben, ehe sie an die Reihe kamen. Am Morgen lagen vor jeder Baracke die Leichen der Verhungerten, die dann von denHimmelsspediteuren ins Krematorium geschafft wurden.

In unseren) Stuben gab es hier keine Pritschen, sondern regalartig aufgebaute Fächer, die ann ein Warenlager erinnerten. Decken oder ähnliches waren völlig unbekannt. Aber selbst eine solche primitive Liegestatt zu bekommen war nicht ganz.einfach. Wer nach dem Appell

nicht rechtzeitig im Block war, mußte die Nacht auf dem bloßen Fuß- boden oder an die Wand gelehnt verbringen.

Außer Häftlingsbaracken gab es in Buchenwald eine große SS- Schule und eine Hunde-Dressuranstalt, in der man die Vierbeiner darauf abrichtete, Menschen zu zerfleischen. Diese Tiere leisteten) den SS-Leu- ten gute Dienste bei ihrer Arbeit. Die höheren Dienstgrade der SS wohn- ten am Ende des Lagers in modern eingerichteten Villen. In diesem Teil der großen Lagerstadt waren auch die prominenten politischen Gefange- nen aus aller Herren Länder untergebracht, deren Namen für die ge- meinen Vernichtungsmethoden in der Welt zu bekannt waren. Die SS - Machthaber lebten in Saus und Braus; wahrscheinlich war für diese Leute Buchenwald die schönste Zeit ihres Lebens, während es für uns zu dem Schrecklichsten: gehörte, was wir durchmachen mußten. In einer der Villen tobte die Frau des Lagerführers Koch ihre pervers-sadistischen Gelüste aus.

Für diese Leute mußten die Häftlinge tiefe Bunker in die Erde bauen, damit die Massenmörder ihr armseliges Leben in; Sicherheit brin- gen konnten, wenn Gefahr von oben drohte. Tage- und nächtelang muß- ten Tausende'von Sklaven aus einem tiefen Schacht die Steine für die Bunker heranschleppen.

Ein Teil der Weimarer Altstadt lag in jenen Tagen bereits in Trüm- mern. Das K.?. hatte Aufräumungskommandos zu stellen, um die Er- schlagenen aus den Trümmern zu bergen. Bei dieser Gelegenheit fiel auch mancher aus unseren Reihen einer Bombe oder einem Spätzünder zum Opfer.

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