in unserer eigenen Sprache zu Gott, und die, die ihn hörten, waren erschüttert von der Gewalt seines künstlerischen Vortrags. Ich gedenke seiner in Ehren. Klagsbald war ein edler Mensch. Er fiel auf dem Marsch in ein anderes Lager und ist in meinen Armen verstorben.
Weihnachtsfeier in Fünfteichen
Als das Weihnachtsfest herankam, wurden auch bei uns Vorbereitungen getroffen. Am Festtag selbst versammelten sich in einer der Baracken die Prominenten mit der Wachmannschaft an der Spitze. Jeder Blockälteste saß dort mit seinem Piepel( seiner männlichen Braut in Frauenkleidern) an einem runden weißgedeckten Tisch. Auch unter den Prominenten, die ja, wie man nicht vergessen darf, selber Häftlinge waren, hatte der nazistische Geist seine Wirkung nicht verfehlt. Unsere Henker hatten sich die Goebbels 'sche Art zu reden zu eigen gemacht und hielten schwungvolle, lauttönende Reden über den deutschen Endsieg. So führte der Lagerälteste Otto bei dieser Weihnachtsfeier in Fünfteichen aus:, Wenn die deutschen Heere den Sieg über Europa und die ganze Welt errungen haben werden und Europa durch die deutsche Kultur neu befruchtet sein wird, dann werden auch wir Häftlinge unseren Gewinn davon haben. Wenn aber der Sieg nicht unser wäre, dann wiẞt Ihr, besonders Ihr Juden, was mit Euch geschehen wird." Wir standen draußen und hörten diese Reden als Zaungäste an. Nach diesem Auftakt zog Otto einen Dolch aus der Seitentasche und schlug, auf den Tisch: ,, Nun, Freunde, laßt uns Weihnachten feiern und auf den Sieg anstoßen!"
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Anschließend begann eine abscheuliche Sauferei. Außer Wotka floẞ Wein verschiedener Sorten in Strömen. Dazu wurde massenhaft Kuchen verzehrt, der selbst für den tiefsten Frieden gut genug gewesen wäre. Schließlich nahm man noch ein warmes Essen ein, und die Weihnachtsfeier endete in einer Orgie, bei der politische Witze, ekelhafte Zoten und gemeine Aktbilder zum Besten gegeben wurden. Das Fest dieser Herren klang in Lärm, Schimpfen und fürchterlichem Randalieren aus, aber auch wir bekamen einen Anteil an den Genüssen. Als alles in sehr gehobener Stimmung war, zeigten sich manche der Prominenten einmal von einer guten Seite und warfen Hände voller Zigaretten in die Blocks.
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Am 20. Januar 1945 erfuhren wir, daß nun auch die Tage in Fünfteichen sich ihrem Ende zuneigten. Inzwischen hatte sich die große Schlacht von Stalingrad entschieden und die Deutschen mußten bis auf polnisches Territorium zurückgehen.„ Planmäßige Absatzbewegungen vom Feinde" hieß es täglich im Wehrmachtsbericht. Für uns war es ein
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