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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
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wälzten: uns wie die Schweine im Dreck, und unsere Peiniger maltraitier- ten uns dabei nach besten Kräften mit ihren Füßen. Solche Szenen dauer- ten bis nachts 11 Uhr. Endlich hieß es:Auf die Blocks weggetreten, marsch, marsch!

Zu Tode erschöpft fielen wir auf unsere Lager nieder und schliefen wie erschlagen ein. Aber die Ruhe dauerte nicht sehr lange. Gegen zwei Uhr bekamen wir ganz hohen Besuch: der Lagerälteste Otto mit seinem Stabe und die ganze Wachmannschaft samt den Hunlden. Ein wildes Ge- schrei riß uns aus dem Schlaf. Wir sprangen aus den Betten und schon fielen unsere Peiniger über uns her. Auch hier war das Resultat nicht unbedeutend; die Sanitäter hatten abermals alle Hände voll zu tun. Die Erschlagenen wurden: zu den übrigen Leichen auf die Latrine geschleift; es war ein grauenvoller Berg, der sich an diesem Tage dort anhäufte. Dies war der finisterste Tag, den ich je erlebt und überlebt habe. Woher ich die Kräfte nahm, überhaupt mit dem Leben davonzukommen, weiß ich heute noch nicht.

Ich verbrachte insgesamt ein Jahr und einen Monat im K.Z. Fünf- teichen. Eine lange Zeit, wenn man: bedenkt, daß die eben geschilderten Ereignisse, wenn auch nicht täglich, so doch oft genug vorkamen. Zwi- schendurch gab es allerdings auch wieder ruhigere Perioden. Dann näm- lich, wenn es wieder mal gelungen war, die SS -Leute zu bestechen, die eine Vorliebe für Gold und andere Kostbarkeiten hatten. Diese Be- stechung war allerdings nur dadurch möglich, daß das letzte Gold, das tote und lebende Häftlinge im Munde trugen, herhalten mußte, damit wir wenigstens für kurze Zeit etwas aufatmen konnten.

Andere Vorteile hatten die Bewachungsmannschaften dadurch, daß unter uns viele gute Schneider waren, die sowohl für die SS als auch für die prominenten Häftlinge erstklassige Maßkleidung anfertigen mußten. Auch Schuhmacher waren zu diesem Zweck eingesetzt. Ab und zu fiel dann etwas von dem Überfluß an Essen oder Genußmitteln für sie ab.

Im Lager hausten 6000 Menschen in fürchterlicher Enge beieinan- der. Das fortgesetzte Zusammenischrumpfen unseres Bestandes und die laufenden Neueingänge ließen uns nie vergessen, daß jeder einzelne von uns nur eine Nummer war, die eines Tages durch eine neue Nummer er- setzt werden konnte. Zur Zerstreuung fanden ab und zu Theatervor- führungen statt. Von jedem Block aus durften ein paar von uns teil- nehmen. Die Darsteller waren selbst Häftlinge. Auch von uns stand einer auf dieser Bühne, um seinen Leidensgenossen durch seine Kunst wenigstens für ganz kurze Zeit eine Entspannung zu bieten. Ich denke da besonders an unseren geliebten Freund Klagsbald, einst Oberkantor in Wien und Bendzin. Er sang uns jüdische Lieder:Eli, Eli, schrie er

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