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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
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herum machen, und wer dabei zusammenbrach, erhielt mit Kopierstift ein Zeichen auf die Brust, das bedeutete, daß er arbeitsunfähig war. Es kam einem Todesurteil gleich.

Die Gesunden wurden in Kolonnen formiert und für die Kranken trafen Lastautos ein, in die sie hineingeworfen und dann abgefahren wur­den. Die jüdischen Frauen des Lagers mußten dies alles mitansehen und der SS sogar noch bei den Schreibarbeiten behilflich sein. Alles geschah, wie immer ,,, in der bewährten, korrekten Ordnung".

Wir, die Gesunden, marschierten truppweise den sechs Kilometer langen Weg bis nach Fünfteichen zu Fuß. Am Eingang des Lagers em­pfing uns eine Musikkapelle, die Militärmärsche spielte. Eine Gruppe vollgefressener Häftlings- Blockältester bemächtigte sich unser, während die SS selbst uns vorerst nur mit ihren tödlichkalten Blicken abmaẞ.

Auf einem großen Appellplatz wurden wir abgezählt und in ein­zelne Blocks eingeteilt. Vom trüben Himmel ging der Schnee pausenlos auf uns hernieder. Die Blockältesten nahmen jeweils an der Spitze ihrer Leute Aufstellung. Darauf gab der Rapportführer Schramml uns die ,, Hausordnung" bekannt. Bis dahin hatten wir noch unsere Zivilsachen getragen. Nachdem wir einzeln durch die Schreibstube geschleust worden wären, wo ein Häftlingsarzt, der Lagerführer Otto und Rapportführer Schramml uns musterten, bekamen wir eine Erkennungsnummer um den Hals gehängt. Man bemerkte gleich dazu, wenn wir sie verlören, bekä­men wir fünfzig auf den Hintern gezählt. Außerdem erhielt jeder zwei weitere Nummern aus Stoff und ein Dreieck in roter Farbe. Dies bedeu­tete politischer Verbrecher. Da wir zudem noch Juden waren, gab es als Zugabe einen gelben Streifen. Wir waren also doppelt und dreifach gebrandmarkt. Als man uns gegen Abend auf die neuen Behausungen entließ, mußten wir diese Verzierungen eigenhändig an unseren Häft­lingskleidern annähen, bekamen aber keine Nähnadeln, auch kein Garn.

Wir mußten zur

Kurze Zeit später erschallten dann wieder Pfiffe. Musterung in unserem neuen Aufzug heraustreten. In dieser späten Stunde war der Appellplatz von Scheinwerfern taghell erleuchtet. Man machte ,, Sport " mit uns, denn man wollte nur Gesunde, um sie später dann doch auf irgend einem Wege zu Tode zu quälen. Eine halbe Stunde mußten wir in der Kniebeuge unsere Mützen auf und ab nehmen, das Als wir war der ,, Sport ". Mancher brach gleich zu Beginn zusammen.

dann auf die Baracken wegtreten durften, erwartete uns dort abermals ein neuer Empfang.

Jeder Barackenblock war ungefähr 30 Meter lang und in drei Teile eingeteilt. Links und rechts, jeweils auf einer Fläche von ca. 7 zu 4 Me­

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