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ihren Kameraden freizuwühlen. Und wenig später war der Unglückliche, ohne noch einmal ans Tageslicht gekommen zu sein, einplaniert und so bei lebendigem Leibe beerdigt.
Tag für Tag mußten wir bei sengender Sonne unserer Arbeit nach- gehen. Wie gesagt, war ich in einer Kolonine beschäftigt, die in der Nähe der Bahnlinie eingesetzt war. Dadurch hatten wir manchmal Gelegen- heit, wenn die Züge keine Einfahrt in die Stadt hatten und auf offener Strecke standen, mit den Eisenbahnern ins Gespräch zu kommen. Die hier vorbeikommenden Züge kamen aus Polen und so hörten wir ab und zu etwas an Nachrichten von zu Hause. Diese Nachrichten waren aller- dings nicht gut und verschlimmerten unsere schon niedergeschlagene Stimmung noch mehr. Die Eisenbahner erzählten, daß immer mehr von unseren Frauen und Kindern in die Vernichtungslager geschleppt worden seien. Wir sträubten uns, ihnen Glauben zu schenken, aber im Innern hatten wir selbst die furchtbare Ahnung, daß sie nur zu Recht hatten.
Unter diesen Umständen, innerlich völlig gebrochen und von den gemeinen Vorarbeitern zur Arbeit gepeitscht, erfüllten wir unser täg- liches Arbeitspensum. Unter solchen Bedingungen konnte keine Hoffnung in uns bleiben, daß wir jemals eine Besserung unserer Lage erleben würden. Der Vorarbeiter Schezupak, ein Oberschlesier, der allem An- schein nach von Zivilberuf Henker gewesen sein mußte, lief mit einem Gummiknüppel und einem Thermometer bewaffnet zwischen uns umher. Er sonderte die„Kranken“ aus, um sie mit in den nahegelegenen Wald zu nehmen, wo er sie halbtot prügelte. Solche Burschen schikanierten uns furchtbar, und es schien, keine Macht der Welt zu geben, die ihnen bei der Befriedigung ihrer sadistischen Gelüste Einhalt gebot. Wenn es regnete und einer von uns den; Versuch machte, sich unterzustellen, um'sich vor der Nässe zu schützen, stand er gleich im Notizbuch und hatte für den Abend 50 Hiebe zu gewärtigen. Die meisten Posten, die uns bei der Ar- beit überwachten, hatten so gut wie überhaupt kein menschliches Ver- ständnis für unsere qualvolle Lage. Es kam,häufig genug vor, daß wir am Abend beim Rückmarsch vom Arbeitsplatz tote Kameraden mitschlep- pen mußten, die die Strapazen des Tages umgebracht hatte. Eigens für den Lagerbedarf war ein; Friedhof angelegt worden, auf dem mit der Zeit immer'mehr Grabhügel aufgeworfen werden mußten Ohne Sarg und ohne geistlichen Segen wurden die mitten während der Arbeit tot zusammengebrochenen Juden in die Grube geworfen.
Diejenigen aber, die noch nicht ganz tot waren, die als„Kranke“ im Revier behandelt wurden, kamen buchstäblich im Dreck dieses Kran- kenreviers um. Sie warteten auf den Tod, der für sie eine Erlösung war. Von einer Belegschaft von) ca. 1200 Mann starben unter diesen Bedingun-
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