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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
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schwerer Beklommenheit im Herzen, weil ich ihnen nicht helfen konnte in ihrem Schmerze. Bald girigen sie traurig davon, sodaß ich endlich allein im Kreise der Meinen war.

In der Freude des Wiedersehens, die wir empfanden, wich dennoch die Trauer nicht einen Augenblick von uns, weil wir wußten, daß die gemeinsamen Stunden gezählt waren. Meine Frau wollte mich nicht mehr fortlassen. Doch ich dachte daran, was meinen unglücklicheren Leidens- genossen im Lager geschähe, wenn ich nicht aus dem Urlaub zurückkehrte. So vergingen die drei Tage rasch und bald stand ich wieder vor der Tür. Es war eine schwere Stunde, in der ich von meinen geliebten Angehöri- gen, diesmal für immer, Abschied nahm.

Mein Sohn war damals zwei Jahre alt. Als ich fortging, spielte er in der glücklichen Entrücktheit seiner kindlichen, unschuldigen Welt. Ich ließ ihn nicht merken, daß dies wohl das letztemal war, daß wir uns sahen, und ohne ihn in seinem Spiel zu stören, zog ich, ein Stück des Weges von meiner weinenden: Frau geleitet, fort. Als sich die Pforten des Sammellagers, von wo aus der Transport wieder abging, bereits hin- ter mir geschlossen hatten, sahen wir uns noch ein letztes Mal. Meine Frau reichte mir durch die Drähte des Zaunes die Hand zum Abschied. Dann rollten die Autos heran und der schöne kurze Traum des Wieder- sehens war vorüber.

Noch in der gleichen Nacht schlief ich wieder hinter dem dichten Stacheldrahtverhau meines Lagers und hatte nur noch die Erinnerung an die drei Urlaubstage im Herzen, die für lange Zeit reichen mußten.

Nach dem Eintreffen im Lager Brande war es ähnlich wie bei der Ankunft in Sosnowitz ; scharenweise umdrängten: mich meine Brüder und Leidensgenossen, um Nachrichten von zu Hause, von ihren Angehörigen zu erfahren. Vor allem wollten sie wissen, wie die Lage der Daheim- gebliebenen sei. Diese war, wie ich mit eigenen Augen gesehen hatte, traurig genug, und ich habe sie an anderer Stelle bereits geschil- dert. Meinen Lagergenossen aber machte ich das Herz nicht unnötig schwer. Als einen schwachen Trost konnte ich ihnen den Gruß von zu Hause mitbringen und die Aufforderung; Haltet durch!

Das Lager wird aufgelöst

Die Arbeit und das ganze Leben des Lagers Brande umgab mich bald wieder wie vorher, aber bald traten neue Arbeiten und neue Leiden an uns heran. ı!

Im Winter 1941 brauchten die Deutschen neue Arbeitskräfte für die inzwischen eroberten Gebiete Rußlands . Aus jedem Lager wurde ein Teil

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