sammenbrach. Ähnlich war es, wenn„Boxen“ auf dem Dienstplan stand. Die Bewachungsmannschaften fanden ein sadistisches Vergnügen daran, wenn einer von uns den anderen zusammenschlug.
Besuch im Zwangsarbeitslager
Als ich bereits im Lager war, hatte meine Mutter noch einmal Ge- legenheit, nach Breslau zurückzukehren, um ihre geschäftlichen Angele- genheiten in der früheren Heimatstadt zu regeln. Bei den jüdischen Ge- schäftsliquidationen war es nämlich so, daß man auf die fremde Staats- angehörigkeit noch einige Rücksicht nehmen mußte, sodaß die polnischen Juden bei den Enteignungen im allgemeinen besser wegkamen als die deutschen. Bis zur Besetzung Polens hatten noch Verhandlungen zwischen der deutschen und der polnischen Regierung geschwebt. Nun, nachdem es keine polnische Regierung mehr gab, wurden die Liquidationen. end- gültig durchgeführt und die Betriebe, darunter auch der meines inzwischen verstorbenen Vaters, arisiert.
Während nun meine Mutter in dieser Angelegenheit in Breslau weilte, versuchte ich mit allen Mitteln, Kontakt mit ihr zu bekommen. Breslauer Arbeiter, die unser Lager mit Baumaterial belieferten, haben mir dabei große Hilfe geleistet. Durch diese hatte ich auch bereits früher außerhalb des unzuverlässigen Postweges Briefe und Lebensmittelpakete von meinen Angehörigen erhalten, die man mir während der Arbeit in die Hand schmuggelte. Ich bin diesen Arbeitern, die sich als wahre Menischenfreunde erwiesen, zu großem Dank verpflichtet. Durch sie hatte ich nun auch Gelegenheit, ein heimliches Zusammentreffen mit meiner Mutter zu arrangieren. Unser Treffen sollte auf der Baustelle stattfinden, wurde aber schließlich von! den Posten entdeckt, die uns beide ins Lager hineinführten. Auf das Flehen; meiner alten Mutter hin erwachte in dem Lagerführer doch noch so viel menschliches Gefühl, daß er uns erlaubte, uns eine Stunde lang ungestört zu sehen. Es war eine sehr glückliche Stunde für uns beide, und meine Leidensgenossen beneideten mich um das Glück, das mir hier vom Schicksal gewährt wurde. Normalerweise kam es sonst nicht vor, daß einer von uns Besuch empfangen durfte. Zum letzten Male umarmte ich dann meine Mutter, ehe sie das Lager wieder verließ und nach Sosnpwitz zurückkehrte.
Und noch einmal meinte es das Schicksal gut mit mir. Eines Tages durften aus jedem Lager je sechs Männer und drei Frauen auf Urlaub nach Hause fahren. Man hatte uns zwar ursprünglich versprochen, daß wir uns nur für sechs Wochen nach Deutschland zu verpflichten brauch-
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