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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
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deutschen Grenzen.

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Polnische Soldaten übertreten die deutsche Grenze und überfallen deutschen Bauernhof Die deutsche Regierung greift zu Gegenmaßnahmen..." usw., usw. Und dann schließlich: Der Führer spricht: ,, Polen wird von Tag zu Tag frecher. Wir wer­den uns das nicht gefallen lassen- meine Geduld ist zu Ende..."

und der Beginn des Krieges

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Diese Nachrichten aus dem Äther übertönten einander, Nachrichten, die offensichtlich dazu dienen sollten, die gefährlichen Ziele der deutschen Aggressoren vorzubereiten.

Und dann kam der schicksalsvolle 31. August 1939. Von allen West­grenzen Polens her überfluteten die deutschen Armeen das Land. Meine letzten Habseligkeiten zusammenraffend, zog ich mit meiner Frau und dem mittlerweile ein Jahr alt gewordenen Kind ins Innere Polens .

Der auf den Kriegsausbruch folgende Tag, der 1. September, wurde zu dem finstersten meines bisherigen Lebens. Voller Verzweiflung stan­den wir auf dem vollgepfropften Bahnhof von Sosnowitz . Nach vielen Mühen glückte es mir, mit meiner Familie aus dem hoffnungslosen Ge­dränge herauszukommen und mich zu dem zum Bersten vollen Zug durch­zukämpfen. Es war der letzte, der überhaupt die Stadt verließ. Wie durch ein Wunder gelang es uns, mitgenommen zu werden. Und dann ging es abermals weiter nach Osten. Spät in der Nacht erreichten wir das Städt­chen Brzesko . Dort ließ ich Frau und Kind, um selbst nochmals nach Sosnowitz zurückzukehren, wo ich nach meiner zurückgebliebenen Mutter sehen wollte. Ich kam aber nur bis Krakau . Hinter der Stadt waren alle Brücken gesprengt, deutsche Bomber erfüllten scharenweise die Luft mit ihrem drohenden Gebrumm. Die Stadt war inzwischen von den meisten Einwohnern verlassen worden und bot einen traurigen öden Anblick. Nach langem Suchen fand ich endlich in einem kleinen Vorstadthotel noch ein dürftiges Zimmer. Aber infolge der dauernden Bombenangriffe mußte man doch den größten Teil der Nacht im Keller zubringen. Das ging drei Tage und drei Nächte so weiter.

Die Stadt war inzwischen so gut wie ausgestorben, alle Läden blie­ben geschlossen und der Verkehr war lahmgelegt. Auf den Straßen lagen viele Leichen, die nicht beerdigt werden konnten, umher. Als die Deut­schen bis vor die Tore der Stadt vorgerückt waren, verbreitete sich diese Schreckensbotschaft wie ein Lauffeuer unter den wenigen Zurückgeblie­benen. Nun, im letzten Augenblick, versuchte jeder aus der Stadt zu ent­kommen, um den deutschen Truppen zu entgehen. Eine Riesenprozession setzte sich in Bewegung; Jung und Alt, Mütter mit ihren Säuglingen, Kranke und Schwache, Priester und alte Rabbiner in vollem Ornat.

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