Druckschrift 
Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen

| ge- nere Imen reit- auf- dem

der hin-

zu benutzt, sämtliche polnischen Juden bei Nacht und Nebel völlig mittel- los über die Grenze abzuschieben. Im Lande selbst war das Terrorregi- ment zum ersten Male offen und mit Unterstützung der Staatsgewalt zu Tage getreten.

Asyl in Polen

Die traurige Botschaft von der Zwangsevakuierung der Juden hatte sich rasch verbreitet, und als der Transport im Kattowitzer Bahnhof ein- fuhr, wußte man in Polen bereits, was sich ereignet hatte. Tausende von unlseren Brüdern und Schwestern umstürmten die Ankommenden und empfingen sie mit offenen Armen. Auf der Stelle wurden großzügige Hilfsmaßnahmen eingeleitet, die den völlig Erschöpften ihr Los nach besten Kräften erleichterten.

Auch ich war mit meiner Frau und meinem Kinde in diesen Tagen aus Danzig in Polen eingetroffen, und es schien, als ob wir dem großen Grauen und dem schlimmsten Schicksal noch einmal entgangen waren.

In den Wohnungen unserer Brüder und Schwestern wurden wir

‚gastlich aufgenommen, verpflegt und mit dem Nötigsten an Kleidungs-

stücken versorgt. Hier, in Polen , fühlten wir zum letzten Male wahre menschliche Nächstenliebe, nicht nur Worte des Mitgefühls, sondern wirk- liche Hilfe. Man gab, was man konnte und linderte unsere schlimmste Not, so gut es nur ging. Wir fühlten uns beinahe noch einmal so, wie wir uns einst in Deutschland , bei uns zu Hause gefühlt hatten.

Doch nicht sehr lange dauerte dieses Glück, noch einmal in einem freien Lande leben zu dürfen. Ein knappes Jahr später fielen die deut- schen Heere in Polen ein und von! neuem begann unsere Flucht, die große Wanderung, die für die meisten irgendwo im KZ, in den Öfen oder im Steinbruch endete.

Der Vorabend...

Um mich von den Strapazen der ersten Flucht mit meiner Familie

zusammen zu erholen, mußte ich die längste Zeit dieses Jahres in Polen

im Bett verbringen. Die geretteten Ersparnisse, die ich doch noch aus Danzig hatte herausbekommen können, reichten mit knapper Not zur Bestreitung des Lebenisunterhaltes.

Es begann nun die Zeit, da täglich die nationalsozialistischen Greuel- meldungen aus dem Rundfunk zu uns hertönten:

Polen überfallen Deutsche in Zalendze Deutsche in Kattowitz von Polen angefallen und schwer mißhandelt Zwischenfälle an den

13