Betrieb seinem rechtmäßigen Besitzer fortzunehmen und ihn auf diese
Art und Weise zu arisieren. Ein Unternehmen nach dem anderen ging
aus jüdischen in arische Hände über.
Mit der Zeit jedoch trat der politische Kampf immer offener zu Tage. Die Presse stand bereits völlig unter dem Einfluß Forsters und machte Danzig für den Nationalsozialismus reif. Juden wurden nun am hellichten Tage und auf offener Straße überfallen und mißhandelt. Der Pöbel tobte und auf polizeilichen) Schutz war nicht zu rechnen.
Ende Oktober 1938 kam die Nachricht, daß alle polnischen Juden aus Deutschland ausgewiesen worden waren. Als ich nach Danzig ging, waren meine Eltern in Breslau geblieben und ich mußte annehmen, daß
und meine Mutter schilderte mir später, in welcher Form die Ausweisung vor sich gegangen war.
Auch in Danzig brannte uns der Boden immer mehr unter den Füßen. Die nazistische Volksvergiftung hatte ihre üblen Früchte getra- gen, und die Parole„Heim ins Reich“ erregte die Gemüter heftig; man wollte angesichts der vermeintlichen Fortschritte im nationalsozialistischen Deutschland , von dem man sich hier phantastische Wunderdinge erzählte, nicht ins Hintertreffen geraten. So machte auch die berüchtigte„spontane“ Aufwallung des„Volksempfindens“ von 1938 nicht Halt vor den Toren der Stadt Danzig . Was von den jüdischen Geschäften noch nicht arisiert war, fiel dem wohlorganisierten Volkszorn zum Opfer. Man zertrümmerte sinnlos in vandalischer Weise die Geschäftseinrichtungen und plünderte die Warenbestände der jüdischen Kaufleute. Die Langgasse, die Haupt- geschäftsstraße der Stadt, bot ein Bild sinnlosester Zerstörung. Pracht- volle Läden waren im Nu in ausgebrannte, traurige Ruinenhöhlen ver- wandelt. Zu Hunderten schwammen die zusammengeschlagenen Konfek- tionspuppen in der Mottlau. Auch vor den jüdischen Gotteshäusern hatte man keine Ehrfurcht, und die Synagogen der Stadt wurden ein Raub der Flammen.
Die Steuerbehörden arbeiteten nun Hand in Hand mit der„Eisen- stange“(so hieß die Straße, in der sich das Danziger Gefängnis befand). Wer nicht gewillt war, sein Geschäft freiwillig aufzugeben, wurde ein- gesperrt und auf diese Weise bald weich gemacht. Ich selber habe auch eine kurze Zeit in der„Eisenstange“ verbringen müssen, sah nach zwei- tägiger Haft jedoch ein, daß es keinen Zweck mehr hatte, sich länger dem brutalen Druck der neuen Machthaber zu widersetzen. Ich unterschrieb ‘und überließ damit meine neuaufgebaute Existenz abermals den Herren der neuen Zeit.
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