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Unter dem gelben Stern : ein Tatsachenbericht aus der Zeit von 1933 bis 1945 / von Abraham Hochhäuser
Entstehung
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schen Epoche, die bis an Hitlers Zeit heranreichte, der Grundsatz: Freie Bahn dem Tüchtigen. Die Leistung im wirtschaftlichen und kulturellen Leben war letzthin der Maßstab für die Wertung des Menschen im Staate. Religiöse, völkische und rassische Gesichtspunkte traten wohl, wie bereits erwähnt, auch damals hier und da schon auf, zeichneten sich aber erst kaum merklich am Hintergrunde ab. Jüdische Mitbürger haben in dieser Zeit-höchste Stellen im staatlichen und wirtschaftlichen Leben bekleidet, und was jüdische Künistler und Wissenschaftler innerhalb der deutschen Kultur damals geleistet haben, wird für immer der deutschen Geistesgeschichte angehören.

Man muß sich einmal von den fürchterlichen Erfahrungen der zwölf nationalsozialistischen Jahre losmachen, um zu verstehen, unter welchen Bedingungen wir oder unsere Eltern nach Deutschland gekom- men waren. Die große deutsche Kultur machte einen mächtigen Eindruck, besonders auf uns Jünigere. Unser geistiges Interesse fand hier ein gro- Bes Feld entscheidender Einflüsse; hier berührten wir uns mit vielen anderen jungen Menschen auf einer Ebene, auf der selten die Rede da- von war, ob man Jude oder Deutscher sei.

Im kommerziellen Leben gab es im allgemeinen ebenso wenig Unterschiede. Man darf zwar nicht vergessen, das gewisse instinktive Regungen und Vorurteile immer unld überall auftauchten und von uns überwunden werden mußten. Dies war bereits lange bevor Hitler daraus politisches Kapital schlug, der diese meist unbedachten Vorurteile in Haß und Verachtung umbog, aus denen man später bedenkenlos und ohne eine menschliche Regung eine ganze Gruppe einstmals geachteter Mitbürger ausrottete, nur weil sie eben Juden waren.

Man muß sich über diese Erscheinungen völlig klar zu werden ver- suchen: Hitlers Progrome waren; die barbarischsten und konsequen- testen der neueren Geschichte Antisemitismus ist kein Privileg des Dritten Reiches gewesen, sondern ein geschichtliches Phänomen, daß früher einmal von religiösen Ursachen herkam. Noch als Lessing seinen Nathan schrieb, war das Judenproblem in Deutschland und Mittel- europa rein religiöser Natur. Ein getaufter Jude galt als Christ, und kein Mensch wäre auf den Gedanken gekommen, bei ihm nach der rassi- schen Herkunft seiner Vorfahren zu fragen.

Diese jahrhundertealte Beeinflussung der Religionen dürfte an der sogenannten instinktiven Abneigung schuld gewesen sein, mit denen sich sehr viele Deutsche , mitunter selbst die Bestgesinnten auseinander- setzen mußten. Besonders bei primitiver veranlagten Menschen wurde diese Abneigung wirksam und verband sich mit dem Mißtrauen gegen