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Ein Auftakt
im Jahre Neunzehnhunderfünfunddreißig
Was ein politischer Gegner Hitlers bereits in den Jahren vor 1933, in der sogenannten Kampfzeit des Nationalsozialismus, in Deutschland zu erdulden hatte, sei hier nicht erwähnt. Ich habe nicht die Absicht, über die Juden in Deutschland im allgemeinen zu schreiben, wenn ich auch versuchen will, zu Beginn ein paar Worte über unsere damalige Situation zu sagen. Es ist unmöglich, einem, der in diesen Jahren nicht in Deutsch land gelebt hat, das jüdische Schicksal in seiner Tragik vor Augen zu führen. Ich beschränke mich deshalb auf einen Bericht meiner persönlichen Erlebnisse. Ich glaube, daß nichts eindringlicher sein könnte als die bloßen Tatsachen.
Am 16. Oktober 1934 erhielt ich eine Vorladung ins Breslauer Polizeipräsidium. Man klopfte morgens in aller Frühe an meine Tür, und ich hatte nicht die geringste Ahnung davon, was mir bevorstand. ,, Gestapo , folgen Sie mir sofort!" Mir blieb kaum Zeit, mich ordentlich anzuziehen, viel weniger, mich von meinen Eltern zu verabschieden. ,, Unauffällig"- soviel Scham besaß man damals noch- mußte ich folgen. Nun ahnte ich Grauenvolles, und noch nie war mir früher ein Weg durch die Straßen meiner alten Heimatstadt schwerer geworden als an diesem Morgen. Im zweiten Stockwerk des riesigen Breslauer Polizeipräsidiums lag das Zimmer 275, an dessen Tür das verhängnisvolle Schild„ Ge heime Staatspolizei " zu lesen war.
Die Begrüßung drinnen entsprach dem Ruf, den sich diese neue Errungenschaft des Nazistaates bereits damals erworben hatte: man schlug mir, ehe noch ein Wort fiel, mit aller Gewalt ins Gesicht, und ich stürzte blutüberströmt auf den Fußboden. Das solcherart vor sich gehende ,,, Verhör" wurde vom Polizeikommissar Scholz geführt, einem Mann von riesenhafter Statur und einem entsprechenden Organ.
,, Sie haben den Führer beleidigt", brüllte er und beendete bald darauf die Vernehmung in der gleichen Weise wie er sie begonnen hatte. Das Nächste, woran ich mich erinnern kann, war der Gefängniskeller in der Graupenstraße. Dort lag ich zunächst drei Tage lang mit fürchterlichen Schmerzen, die von den Schlägen und Fuẞtritten des Verhörs herrührten. Nach und nach erholte ich mich von diesen ersten Miẞhandlungen, aber die Hoffnung, jemals wieder aus den Krallen der Teufel befreit zu werden, schien mir bereits damals sehr gering.
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