Niederlage in hundertfach gesteigerter Schwere auf uns gesenkt. Damals wurde Deutschland für fast zwei­hundert Jahre aus der Weltpolitik ausgeschaltet. Wäh­rend wir uns in unserem Lande im Streit um den rech­ten Glauben für eine lange Zeit bis zur Ohnmacht schwächten, wurde die Welt ohne unsere Beteiligung immer von neuem verteilt. Das Schwergewicht der politischen Kräfte verschob sich nach Westen, nach Frankreich und England, um sich schließlich fast ein Jahrhundert lang auf die englische Insel zu konzen­trieren, der erst in unserer Generation durch den wirt­schaftlichen und politischen Aufstieg Amerikas in stei­gendem Maße ein Konkurrent entstanden ist. Diese Tendenzen hatten sich seit langem in der Weltge­schichte angekündigt. Die Machthaber Deutschlands , das sich nur langsam von seinem tiefen Fall erholte, unter preußischer Führung im neunzehnten Jahrhun­dert immerhin wieder zu einer europäischen Großmacht geworden war, hätten sie rechtzeitig erkennen müssen. Es gab mehrmals eine Möglichkeit, Anschluß an die Weltentwicklung zu finden. Doch die glänzenden Ge­legenheiten verstrichen alle ungenützt. In Deutschland triumphierten immer von neuem Bismarckscher Geist und preußischer Militarismus über Demokratie und politischen Fortschritt. Von hier aus führt eine gerade Linie über die Hohlheit und den Scharlatanismus des wilhelminischen Systems, über den ersten Weltkrieg zu Hitler und von ihm zu dem neuen noch furchtbareren Sturz Deutschlands . Nur eine Umkehr von Geist und Methode, die aber bereits mit dem ersten Stein zutage treten muß, der beim Neubau angesetzt wird, kann unser Volk vor dem Versinken in die Nacht der Ge­schichtslosigkeit retten. Inzwischen rollte unser Wagen langsam weiter. Die

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