in der ich etwas bequemer liegen konnte. Das waren unschätzbare Errungenschaften.

Am vierten Tage ereignete sich im Block eine Sensa­tion. Ein ,, Läufer", so hießen die Boten der Lagerlei­tung und der Abteilungen, deren sie sich innerhalb des Lagers in Ermangelung telefonischer Anschlüsse be­dienten, kam, um mich in die politische Abteilung zu holen. Wahrscheinlich, so fügte er hinzu, sei hoher Be­such da, denn er habe Weisung, mich unter keinen Umständen barfuß vorzuführen. Zu diesem Zweck müsse er mich zunächst in die Bekleidungskammer bringen, wo ich ein Paar Schuhe bekäme, die ich aber bei der Rückkehr in den Block wieder abzugeben hätte. So unbedeutend der Vorgang war, gemessen an an­deren schlimmen Dingen, die sich seit Jahren hinter den Mauern des Lagers vollzogen, beleuchtete er doch blitzartig die Sorge und die Angst der Gestapo , es könnte von der schauderhaften Wirklichkeit durch ob­jektive Zeugen etwas in die Öffentlichkeit dringen. Im Büro der politischen Abteilung fand ich meine Sekretärin. Von alten Häftlingen wußte ich, wie schwer es war, eine Sprecherlaubnis zu erlangen. Manche wa­ren jahrelang eingesperrt, ohne daß ihnen jemals Ge­legenheit gegeben wurde, einen Besuch von draußen zu empfangen. Grundsätzlich war hierfür das Reichssiche­rungshauptamt zuständig. Fräulein B. aber war es über die Lagerwache und durch das Entgegenkommen der politischen Abteilung gelungen, eine Sprecherlaubnis von einer knappen Stunde zu erwirken. Sie hatte Akten mitgebracht und erklärt, daß nur ich in der Lage sei, hierüber zu disponieren, da sonst wichtige Interessen Dritter gefährdet würden. Auf diese Weise gelang es ihr überraschenderweise, mehrere Male bis zu mir vorzudringen. Meinen Sohn und meine Schwieger­

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