12 Sterne
Das sterbende Vöglein
FREMDES VÖGLEIN DU,
Was fehlt dir,
Hockst so müde da und matt? Ach, das Herze tut so weh mir, Seh ich zwischen Zweig und Blatt
Dich die kleinen Flügel hängen; Blickst mich todestraurig an,
Und ich fühl's, wie gern sich schwängen Deine Flügel wolkenan!
Gelt, du leidest bittre Schmerzen, Kannst sie mir nur klagen nicht, Doch tief in der Menschen Herzen Eine Stimme für dich spricht.
Und ich ahne, was du leidest,
Und ich spüre mit dein Leid,
Und es ist, als ob du weitest
Meine Brust zur Ewigkeit.
Und mir ist, der lichte Schimmer
Unsres Tages sei umflort,
Als vergäße ich es nimmer,
Was die Seele dir durchbohrt.
Siehe, es sind meine Brüder,
Die dir solche Not geschafft,
Denn verstummt sind deine Lieder
Erst in der Gefangenschaft.
177


