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ANHANG
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schichte des Lagers Dachau , in all ihren traurigen Stadien, als wenige überlebt. Soll es wirklich keine Rettung mehr für uns geben? Sollen wir noch alle systematisch zu Tode gehetzt werden? In der vergangenen Nacht, sowie jetzt am Tage, hat der Kanonendonner zugenommen, vor und hinter uns ballert es dumpf, teilweise hört man in der Ferne Gefechtslärm. Dicht neben uns greifen amerikanische Tiefflieger mehrmals die Bahnlinie an....
Am Mittag des 30. April geht es weiter, ich bin zu elend und will erst mit zwei guten, auch erkrankten Kameraden liegenbleiben, doch die Hoffnung auf die Befreiung oder eine Fluchtmöglichkeit reißt uns nochmals aus unserer Apathie. An diesem Tag marschieren wir drei am Schluß, und wir sehen Bilder, die wir niemals vergessen können. Dieser Tag hat dem Todesmarsch eine historische Bedeutung gegeben! Der neben mir gehende SS- U'scha sagt immer wieder in seinem gebrochenen Deutsch: ,, Wer bei mir umfallt, schieß ich kaputt!"
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Nach einer kurzen Strecke sind die Straßen, die wir ja am Schluß passieren, besät mit Toten und Sterbenden. Die hinter uns unmittelbar gehende Hundestaffel hetzte ihre Hunde auf diese unglücklichen, wehrlosen Menschen was nicht zerfleischt wird, fällt unter den Gewehrkolben und Pistolenkugeln diesser SS- Sadisten. Meistens war am Schluß des Zuges ukrainische, litauische und ungarische SS. Wird denn nicht auch den Stupidesten unter ihnen klar, daß diese Menschenjäger von heute das Wild von morgen sein werden? Oder ist ihnen dié verfluchte, sogenannte ,, HimmlerDisziplin" so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie nur noch stoßende, tretende, schlagende und Genickschüsse gebende Nazi- Maschinen sind? Ist es die Angst vor dem unausbleiblichen Ende? Oder die Wut, zwischen zwei Fronten marschieren zu müssen? Wer kann dieses barbarische Gemetzel jemals rechtfertigen?- Im Gegensatz zu diesen
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