ZWÖLF UHR
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und dann entlassen." Mit fühlbarer Erleichterung hörten die Hochwürden aus beiden Lagern dieses solemne Versprechen an, und niemand wagte es zu bezweifeln. Auch die Protestanten sahen nämlich ins Freie durch das Gucklöchlein, denn der geistliche Mund war weitherzig genug, um auch ihnen die jesuitische Gastfreundschaft anzubieten.
24. Mai 1945.
Dittmer, der Hüne, wagt das Bild von einem Wettlauf der Konfessionen, der eingesetzt habe, um der pastoralen Insel von Dachau zum Beistand zu eilen. Und in der Tat, kaum ist das Wort gefallen, kaum haben sich die Lutheraner entschlossen, sich demjenigen Kirchenauto zur Hilfe auszuliefern, das zuerst komme, da taucht schon das Gerücht auf( lateinisch überbracht), daß wiederum ein geistlicher Würdenträger aus München eingetroffen sei höchstwahrscheinlich, wurde angedeutet, der Oberkirchenrat, der bereits einmal hier gewesen, eine Erscheinung mit Armbinde, Bischofskreuz, doch statt der Bischofsmithra einen breitkrempigen Hut tragend. Das war unverkennbar das Signalement von Herrn Dr. Daumiller. Und wirklich, er war es. Mit zwei leeren Autos war er gekommen, mit zwei vollen wollte er wieder zurückfahren. Leider fuhr er wieder mit zwei leeren ab, denn der Colonel Joice ging streng partitätisch vor und gab Wittenberg nicht frei, solange er Rom noch verwahren mußte. Da half keine Beschwörung seiner Milde und kein Hinweis darauf, daß die Unterkunft, die man bereits in einem Münchener Krankenhaus mit Mühe und Not freibekommen habe, wieder verloren gehen könnte. Witten berg mußte warten, nicht länger als Rom , aber auch nicht kürzer, eben bis zum Montag, zum Ende der Quarantäne.
Unter dem Eindruck dieser hochherzigen Hilfsbereitschaft nahmen wir Abstand von dem Beschluß der Verzweiflung, uns dem ersten besten Auto in die Arme zu


