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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
auch von den Holländern sind einige weg, unter ihnen der treue den Hertog.
23. Mai 1945.
Ein leuchtendes Abendrot flammt über den Föhren, ein festliches Frühlingsfeuerwerk. Der Schlot des Krematoriums hebt sich wie ein ungefüger Riese von den lohenden Fackeln ab. ,, Das kann kein Landschaftsmaler so treffen", bemerkt ein alter Mann, der neben mir sitzt, und Kreuzberger erzählt, es sei der Vater von Christian Morgenstern gewesen, der den Dachauer Himmel mit seiner Farbenpracht entdeckt habe. Das orientalische Irisieren der Farben hänge mit den Dünsten zusammen, die aus den Mooren der Umgebung aufsteigen.
24. Mai 1945.
Gestern erschien der katholische Stadtpfarrer von Dachau , Geistlicher Rat Y. unter uns, um seine Freunde darüber zu beruhigen, daß ihrer weiter angestrengt gedacht werde, der Stollen sei schon in Reichweite vorwärts getrieben, so daß der Durchbruch jeden Augenblick erfolgen könne. Der würdige Herr wirkte wie ein frischer Luftzug in der schwülen Atmosphäre unserer Stube; bot doch sein gütiges Antlitz das Bild blühender Gesundheit. Seinen confratribus stand er ohne die bei uns übliche Galligkeit Rede und Antwort auf die zahlreichen Fragen, mit welchen sie seine hünenhafte Gestalt bombardierten. Aber was das Beste: er war in der Lage, ihnen Aufschluß zu geben über die bestimmten und wohltätigen Absichten Seiner Eminenz, des Herrn Kardinalerzbischofs, welche eine Lösung der Kardinalfrage zuließen, die er allen von den geschlossenen Lippen abzulesen verstand: Wann? Wann?" ,, Ihr. werdet am nächsten Montag entlassen, und am nächsten Mittwoch fahrt ihr ab. Das ist sicher. Und zwar kommt ihr zunächst noch in das Jesuitenkolleg zur Vollendung der Quarantäne. Dort werdet ihr gut verpflegt
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