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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
fangen und wußte nicht, warum. Endlich klärte sich der Fall auf, als der Überbringer der explosiven Botschaft mit allen Anzeichen einer inneren Bewegung auf meine Schuhe deutete: jaso, jetzt fiel mir ein, daß ich im letzten Augenblick in eines der vielen herrenlos herumstehenden Paare geschlüpft war. Es hatte aber, wie es jetzt herauskam, doch seinen Herrn( wenn auch wohl erst seit gestern), und der stand nun wie ein zürnender Engel vor mir und verlangte Rücktausch gegen ein anderes Paar, das nun allerdings weder ihm noch mir gehörte. Ich weigerte mich nicht, und so war der ursprüngliche Rechtsstand ohne Advokaten wieder hergestellt. Die Ohrfeige nahm mir aber kein Armenier mehr ab.
Vom Dienstag ab haben wir es nicht mehr nötig, unsere Wäsche selbst zu waschen. Das besorgen die SS- Frauen. Die Pfarrer brauchen die schweren Kisten und Kasten nicht mehr zu schleppen, diese Last wird ihnen zur Sühne von den Parteigenossen abgenommen. Vom Bürgermeister wurde ein halbes Faẞ bayrisches Bier gestiftet. Für mich ist nicht einmal ein halbes Maß übriggeblieben, doch weine ich ihm keine Zähre nach.
Und so blicken wir denn vom SS - Lager, das wir jetzt bewohnen, hinüber aufs alte Häftlingslager. So mag es den Seligen zumute sein, welche aus dem Jenseits ins alte Diesseits blicken, gewißlich triumphierend wie wir und mit dem Wunsche: ,, Nie mehr zurück!"
Abends beim Sonnenuntergang. Und nun liege ich unter den dürftigen Fichten und Andeutungen von Eichen, die wie verwunschen um die Baracken herumstehen. Ich schaue dem Spiel der Dachauer Wolken zu, die uns heute abend durch eine ihrer berühmten Tönungen erfreuen: zarte in rosa Licht getauchte weiße


