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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
rigen. Die Österreicher haben sich ein besonderes Plakat geleistet, das in einem eigens dafür errichteten Schaukasten die Landsleute aufruft: ,, Frei! Selbständig, Einig!" Das Brett der Rotspanier zeigt ihre Flagge und auf sie aufgemalt die Worte:
,, Reconquiesta de Espana."
Das Blatt der Holländer führt den Titel: ,, De Stern der Lage Landen, Organ der Nederlanders in Dachau "; die Serben nennen das ihrige: ,, Dahavske Porocevales", die Polen wählen sich die Überschrift: Glos Polski", Organ Komitetu Polskiego v Dachau", die italienische Zeitung segelte unter der Flagge: ,, Gli Italiani in Dachau ", und die Ungarn schreiben sich kurzerhand in rotweißgrünem Gewand: ,, Magyar Hirado!"
Nach Böttchers, des ehemaligen Rapportführers, Aussagen war folgendes Vorgehen gegen die Häftlinge geplant:
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Am Sonntag, den 29. April, um 9 Uhr abends sollten alle auf dem Appellplatz antreten. Dann sollten sie mit dem Maschinengewehr niedergeschossen und das Lager durch Flammenwerfer verbrannt werden. Das rechtzeitige Erscheinen unserer Befreier verdanken wir der Entschlossenheit eines politischen Gefangenen. Dieser, von der drohenden Gefahr unterrichtet, sah die einzige Möglichkeit, ihr zu entgehen, darin, daß die Amerikaner ihr Kommen beschleunigten. So kappte er ein Auto, belud es mit leeren Rotkreuzkisten und fuhr zum Tor hinaus. Als ihm dies ungehindert geglückt, nahm er den Weg in der Richtung nach Pfaffenhofen , wo das Sternenbanner schon wehen sollte. Er erreichte es glücklich und setzte den Kommandanten in Kenntnis von unserer gefährlichen Lage. Der versprach sofortige Hilfe, konnte aber nur 60 Mann zur Verfügung stellen. Diese 60 sind es dann gewesen, die, einige Späh


