Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
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ZWÖLF UHR

,, Beim Sturm auf Dachau

fielen am 27. April die Kameraden

Fritz Dürr,

Maxel Grünfelder,

Erich Hubmann.

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Ihr Opfer, das 32 000 Häftlingen das Leben rettete, bleibt unvergessen."

Endlich eine zuverlässige Nachricht über das Schicksal der abmarschierten Kameraden: ,, Am Freitag wurde der Treck in Starnberg gesichtet. Dort wurde Muhler, Stadtpfarrer von München , befreit. Der Treck marschierte alsdann weiter."

Abends auf dem Pfarrerblock.

Immer noch die Umgebung von Viehtreibern, das Kreuz auf dem Buckel, die geflickten Hosen und verrunzelten Kittel; und doch, welche Wendung, welch ein Umschwung in der Stimmung! Nicht mehr lange, dann werden wir alles hinter uns haben, dann geht es endgültig durchs Tor in die Freiheit!

,, Beräubert die Räuber!" Das ist jetzt große Mode im Lager. Wer es irgend kann, macht sich auf, um auf Beute auszuziehen. Wir haben den Krieg gewonnen, ist's da nicht in Ordnung, daß wir Beute machen? Haben uns unsere Feinde nicht ein Schlachtfeld hinterlassen, das voll von Tro­phäen ist? Sie mußten doch noch so manchen Batzen dalassen, der in den Augen der von ihnen bis aufs Hemd Ausgeplün­derten noch eine Kostbarkeit ist. Und so ziehen sie denn aus ins feindliche Lager, vor dem Uncle Sam getarnt als Aufräumungskommando nun, das Kind muß einen Na­men haben, und war man nicht ehrlich willens, aufzu­räumen und zwar gründlich? Und des Abends kehren sie zurück und schleppen die Früchte ihrer Aufräumung in

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