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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
sturm hatte am Samstag geplant, 120 Mann stark das KZ zu befreien. Er stieß indessen auf den Widerstand unserer Vögte. Als die VII. Armee davon hörte, beschloß sie ihrerseits, einzugreifen und den auf den übernächsten Tag festgesetzten Sturm aufs Lager schon am Sonntag zu wagen. So blieb keine Zeit mehr, Himmlers Geheimbefehl zu gehorchen. Dank sei Michael, dem mächtig schützenden Freund des deutschen Volks, daß er dem verlassenen Haufen von Dachau so sichtbar geholfen!
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Abends.
Der Hubersepp erzählte mir heute folgende Einzelheit aus dem letzten Lagerwirrwarr:
Am letzten Tage, dem 28. April, rüstete die Frau des Kommandanten zum Aufbruch. Zur Reise bekam sie noch von der Dachauer Molkerei einige Päckchen Butter geschenkt, welche ihr die Buchhalterin der Molkerei, Frau Maria Bolz, bringen mußte. Dabei hatte diese ganz und gar gegen Hitler aufgebrachte Frau Gelegenheit, durch die Kommandantin über die eigentliche Situation des Lagers, vor allem über das Verhältnis der SS zu den Häftlingen, die Wahrheit zu erfahren. Die Kommandantin verriet ihr, daß ein Geheimbefehl Hitlers vorliege, wonach vor Eintreffen des Feindes sämtliche Häftlinge durch Flammenwerfer umgebracht werden sollten. Unsere Freundin, Frau Bolz, fuhr noch am selben Abend mit ihrem Rad in die Plantage, um den Müllermeister Filipisch, der auch auf unsrer Seite war, davon zu unterrichten. Durch ihn erfuhr es noch der Häftlingscapo Janik kurz vor dem Einrücken, der seinerseits in aller Eile den Hubersepp benachrichtigte, so daß wenigstens die Prominenten in den Stand gesetzt wurden, sich von der hohen Gefahr ein Bild zu machen, die dem Lager drohte.


