Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
225
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ZWÖLF UHR

225 zu machen wäre, als der Macht des Feindes wieder mit Macht zu begegnen. Ich hoffe aber, daß wir nie dem Irr­tum verfallen, als ob wir die Welt gerettet hätten. Ihr mit eurem Glauben, wir mit unsern Waffen und Gott mit seiner starken Hand hat Europa die Freiheit gebracht... Für uns in Amerika ist Freiheit ein Bestand unseres Christenglau­bens. Wir haben das gelernt von unsern Vätern, die aus Europa kamen. Aus vielen Ländern dieses Erdteils, beson­ders aus Holland , kamen die Menschen, die die Freiheit liebten, an die Küste von Amerika .

Ihr waret so lieb und habt gewünscht, dieser Gottes­dienst solle auch eine Gedenkstunde für die Soldaten sein, die aus dem amerikanischen Heere für die Freiheit gefallen sind. Vor allem sollen aber die nicht vergessen sein, die in diesem Lager für die Sache der Freiheit gestorben sind. Ich möchte, daß wir alle an die Worte unseres Hohenpriesters denken, die wir verlesen haben, und die wir mit gesenktem Haupt noch einmal hören wollen. Zu Hause singen wir ein Lied mit unsren Soldaten, das beginnt:

,, Vorwärts, Christi Streiter

Marschieret auf, zum Sieg!"

Wir sind nicht getrennt voneinander, nein, wir alle sind ein Leib, wir sind alle einig in der Hoffnung, in der Lehre und in der Liebe. Mein Glaube ist vertieft worden seit dem Augenblick, da ich euren Glauben und euch kennenlernen durfte. Es mag schwer sein für euch zu glauben, daß nicht ihr Christus, sondern Christus euch erwählt hat; aber es ist so, denn wir haben einen sehr ernsten Glauben. Wenn wir mit Christus leben, ist keine Despotie und keine Ty­rannei imstande, seine Sache zu zerstören."

Nachdem er noch seiner Freude darüber Ausdruck ge­geben, daß wir das alte Lutherlied: ,, Ein feste Burg ist

Fünf Minuten vor Zwölf 15