Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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ZWÖLF UHR

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lange schon hatten wir uns miteinander auf diesen Augen­blick gefreut!

Mittagessen gab es noch nicht, der Dampf fehlt, weil die Kesselhausanlagen von der SS im Abziehen schwer beschä­digt worden sind; sie versäumten in sorgfältiger Überlegung nicht, uns ein Andenken zu hinterlassen, das uns sinnen­fällig beweisen sollte, was alles wir mit ihrer betreuenden Fürsorge verlören. Zugleich war wohl an die menschen­freundliche Nebenwirkung gedacht worden, das Löschen zu verhindern, wenn das Lager, beim endgültigen Abzug in Brand gesetzt, in Flammen aufging. Dies soll als letzte Ab­schiedsallegorie unserer Vögte, ihr Werk krönend und zu­gleich vernichtend, festgestellt worden sein. Wir brauchen gleichwohl nicht zu hungern. Im Gegenteil, so üppig hat uns der Fleischtopf noch nie gelacht wie heute. Es war fast zuviel des Guten und läßt ernste Besorgnisse um die Un­versehrtheit unserer Verdauungswerkzeuge aufkommen, die­ser jähe Wechsel von bitterer Not zum feenhaften Überfluß. Zu einem Viertel Brotes wurde eine große, zwei Pfund schwere Büchse mit herrlichem Konservenfleisch aus Wülferts Laden verteilt, die wir kaum zu zweien zu bewältigen ver­mochten. Das war ein Leben! Und die Schale süßen Kaffees in Wegeners, des Warschauer Theologen, Laubhütte einge­nommen, bildete einen würdigen Abschluß des Mahles. Kein schlechter Anfang, nein, kein schlechter Anfang! Wie heißt es in der heutigen Losung der Brüdergemeinde? ,, Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist!" Auch der Gaumen soll Zeuge sein der zarten Fürsorge unseres Vaters im Himmel!

Später.

welcher die wir

Die weißen Binden haben Rivalen bekommen, eine wahre Musterauslese, nun aber nicht mehr als Amulette böse Blick könnte uns denn noch etwas anhaben

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