ZWÖLF UHR
215
lange schon hatten wir uns miteinander auf diesen Augenblick gefreut!
Mittagessen gab es noch nicht, der Dampf fehlt, weil die Kesselhausanlagen von der SS im Abziehen schwer beschädigt worden sind; sie versäumten in sorgfältiger Überlegung nicht, uns ein Andenken zu hinterlassen, das uns sinnenfällig beweisen sollte, was alles wir mit ihrer betreuenden Fürsorge verlören. Zugleich war wohl an die menschenfreundliche Nebenwirkung gedacht worden, das Löschen zu verhindern, wenn das Lager, beim endgültigen Abzug in Brand gesetzt, in Flammen aufging. Dies soll als letzte Abschiedsallegorie unserer Vögte, ihr Werk krönend und zugleich vernichtend, festgestellt worden sein. Wir brauchen gleichwohl nicht zu hungern. Im Gegenteil, so üppig hat uns der Fleischtopf noch nie gelacht wie heute. Es war fast zuviel des Guten und läßt ernste Besorgnisse um die Unversehrtheit unserer Verdauungswerkzeuge aufkommen, dieser jähe Wechsel von bitterer Not zum feenhaften Überfluß. Zu einem Viertel Brotes wurde eine große, zwei Pfund schwere Büchse mit herrlichem Konservenfleisch aus Wülferts Laden verteilt, die wir kaum zu zweien zu bewältigen vermochten. Das war ein Leben! Und die Schale süßen Kaffees in Wegeners, des Warschauer Theologen, Laubhütte eingenommen, bildete einen würdigen Abschluß des Mahles. Kein schlechter Anfang, nein, kein schlechter Anfang! Wie heißt es in der heutigen Losung der Brüdergemeinde? ,, Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist!" Auch der Gaumen soll Zeuge sein der zarten Fürsorge unseres Vaters im Himmel!
Später.
welcher die wir
Die weißen Binden haben Rivalen bekommen, eine wahre Musterauslese, nun aber nicht mehr als Amulette böse Blick könnte uns denn noch etwas anhaben
->


