‚ FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
„Süßes Licht, süßes Licht, Sonne, die durch Wolken bricht!“
Die ungeheure Erregung, die gestern abend einen Höhe- punkt erreichte und sich im Absingen der Marseillaise Luft machte, ist im Abklingen begriffen. Sie drängt desto leb- hafter nach außen, indem sie sich in Symbolen Raum zu| schaffen sucht; in äußeren Abzeichen dessen, was das Innerste mit Unruhe und Bewegung, mit Freude und Hofl- nung erfüllt. Fast auf jedem Dach sieht man eine Fahne; auf Block 8 weht das Sternenbanner:|
„God bless America, land that I love
Stand beside her and guide her
'Thru the night with a light from above,
From the mountains to the prairies
To the oceans white with foam.
God save America,
My home, sweet home!“
Der zweite Block hat sich mit dem jugoslawischen Banner geschmückt. Unter dem violetten Kirchenkreuz segelt das Pfarrerschiff, von dessen Mast, der neuergrünten Block- pappel, der Aprilwind einen Wimpel in den päpstlichen Farben gelb-weiß siegesfroh flattern läßt.
Eine Welle nationaler Begeisterung geht durch viele hin- durch, sonderbar genug und doch nicht unverständlich in dem Augenblick, wo die völkischen Übergriffe Deutschlands ihre Rächer zu finden anfangen. An ihren Mützen haben viele die Farben ihres Landes, einige den Sowjetstern be- festigt, wie sich auch auf der Spitze des Küchentürmchens


