ZWÖLF UHR
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ja auch das Wort, das der Knabe Hiob in der letzten Woche immer wieder anführte, als seine Sache so schlecht stand, daß keine Hilfe mehr möglich war. Zweimal war er für den Transport ausgesucht worden; selbst der Arzt hatte seiner Wegschickung zugestimmt, nichts schien ihn mehr retten zu können als ein Wunder, und das Wunder geschah. Er ist noch unter uns und kann das Fest der Befreiung mitfeiern. Eine unvergeßliche Erfahrung der Treue dessen, der auch dem Ungetreuen die Treue hält. Warum denn nun aufs neue so gedrückt, o Knabe Hiob? Warum diese Miene eines Leichenbitters am Tage, da die Freudentränen rinnen? Ach, so gerne möchte er sich von Herzen freuen, aber Trauer überwältigt ihn, wenn er an sein Vaterland denkt, das zur gleichen Stunde am Boden liegt. Doch wie? Darf nicht auch Deutschland dieses Sieges Früchte mitgenießen? Ganz gewiß, man muß den Dingen nur auf den Grund sehen. Hätten die gesiegt, die jetzt vollends zerschmettert werden, wäre das nicht das größte Unglück, ja eine furchtbare Niederlage für Deutschland gewesen? Denn der Abfall hätte sich im Siege vollendet. Unser Übermut hätte unsern endgültigen Fall besiegelt. Indem uns Gott aber im Zorn entgegentrat, bewies ER seine Güte an uns, die uns noch einmal Raum zur Buẞe schenken wollte. ER gab uns teil am Sieg derer, die uns besiegten. Konnte sich das Feldherrntum Christi überlegener vor aller Welt erweisen? Darum Kopf hoch, mein Bruder, du darfst weinen mit den Weinenden, aber zugleich lachen mit den Siegern als Mitsieger- übe dich darinnen, Knabe Hiob , das ist der Künste köstlichste!
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Ein rauher Tag, an welchem die Winde unwirsch dahinstürmen und uns auch im Innersten frösteln und frieren machen. Aber es sind die Wegbereiter des Frühlings, die Stürme, die das Alte wegfegen, daß es dem Neuen Raum mache. Seht, wie es sich mit Macht durchsetzt gegen Wolken und Finsternis.


