Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF

Fenster klirrten. Wir hatten nicht Muße, uns Gedanken zu machen, denn wir waren bei Christus zu Gaste, und das Wunder des Altars nahm Herz und Sinne gefangen. Keinen Augenblick zauderte unser Bruder, Pfarrer Rackwitz, die Feier fortzusetzen, noch war in seiner Stimme ein ängst­liches Vibrieren zu bemerken. Im Unterbewußtsein mag frei­lich manchem die Frage aufgestiegen sein: Was geht vor? Ist er schon wieder von kalten Stürmen bedroht, der junge Keim der Freiheit? Was ist geschehen? Sind Bomben ge­fallen? Sind Kämpfe aufgeflammt? Wie nachher gesagt wurde, traf nichts zu von alledem. Nein, unsere Vögte hatten Sprengungen vorgenommen, um die letzten Spuren ihres Hierseins zu tilgen in weiser Voraussicht des Klad­deradatsch. Den Hauptteil der Archive hatten sie schon 14 Tage zuvor dem ewigen Schweigen des Feuertodes über­

antwortet.

Nach dem Mittagessen fange ich Bruchstücke eines Ge­sprächs auf, aus dem ich nicht klug werde, das mir aber doch im Zusammenhang mit unserer Lage zu stehen scheint. ,, Dörr ist tot.... der und der ist ebenfalls tot...." Als der Angeredete Näheres wissen will, erklärt der Bericht­erstatter mit einem argwöhnischen Blick auf mich, den ich nicht verdient habe: ,, Darüber redet man nicht", fügt in­dessen noch hinzu: ,, Das Rathaus von Dachau haben sie gestern besetzt, ein Obersturmführer..... Mehr konnte ich nicht verstehen, denn die Rede erstarb im Geflüster.

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Abends 5 Uhr.

Kurz nach der Austeilung der Brotzeit gab der Block­pascha folgende Befehle durch:

,, Die Kämpfe nähern sich dem Lager. Sobald geschossen wird, alles auf die Blöcke!

Niederlegen!"