DER VERNICHTUNGSTRANSPORT
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vorne spritzen, um den maßgebenden Leuten das rechte Licht über das Lagerleben und vor allem über die korrupte Bonzokratie anzustecken. In dieser Absicht kann man ihn nur bestärken. Ob er Glück haben wird? Es gilt, manchen alten Posten zurechtzurücken. Siehe den Knaben Hiob ! Es ist vieles gutzumachen.
Später.
Der Regen will nicht aufhören, aus grauen Wolken niederzuströmen. Die Armsten, die jetzt unverwegs sind! Hoffentlich müssen sie nicht unter freiem Himmel kampieren! Wer wird sich indessen um die Bequemlichkeit von Staatssklaven kümmern. Wie man hört, ist der traurige Zug vor München steckengeblieben. Die Straßen sind verstopft von Soldaten und ausgesiedelten Flüchtlingen.
Ich spüre deutlich, daß ich dem Knaben Hiob besser unter die Arme greifen sollte, statt es ihm als Luxus anzukreiden, wenn er an noch Ärmere weitergibt, was dem Armen zugeschoben war!
127 Uhr.
Bedeutsamer Augenblick voller Spannung und Aufregung! Sämtliche Lagerführer flattern flügelschlagend und gackernd zwischen den Pappeln umher: die ersten Wagen vom Roten Kreuz treffen ein. Es sind Lastwagen von gewöhnlicher Größe, weiß, mit dem mächtigen Kreuz in Purpur, nicht dem Kreuz, das Haken hat, nein, das andere, das unsrem Blick von Jugend auf vertraut ist. Im Nu umflattern die besagten Hennen die Erscheinung aus einer lichten Welt wie Vorboten des kommenden Tages, der im Anbrechen ist. Aber auch die weißen Armbinden sind da, die Lagerhähne, und wozu anders, als um einen Kordon zu bilden und auf die aufrührerischen Hennen mit geschwelltem Kamme loszufliegen und sie krähend auseinanderzutreiben. Selbst die Vögte sind noch da, wenn auch nur in einigen Vertretern der untersten Stufe, die wohl fühlen, daß sie im Zeichen


