Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
  

202

FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

-

von der Vergebung lebenden Sinnes, der Geduld trägt mit den Schwachen; die Unbeugsamkeit ihres Bekenntnisses und die weltoffene Heiterkeit ihres, Gemütes. das alles macht sie zu Menschen von umgänglicherem Wesen, in deren Nähe uns wohl wird, und von deren zentraler Lebenskraft wahre Heilwellen ausgehen.

,, Jetzt wird's Dag!" ruft der schwäbische Legionär aus; ,, d'r Zweierblock wird in de Vierer' neig'sch dopft, da kom­met auf ei einzige Schdub' 300 Mann!" Na, das sind noch keine 500, wie wir's auch schon erlebt haben, und außerdem: wir sehen das Ende.

-

,, Nicht mehr lang, nicht mehr lang

währt die Prüfungszeit."

Das läßt alle Widrigkeiten in einem milderen Licht er­scheinen als früher, wo man der Folter kein Ende absehen konnte. Jetzt strecken wir schon den Kopf durch den Ka­min, wie lange wird es noch dauern, und wir sind ganz draußen!

-

In dem Zweierblock, seit den ältesten Zeiten die Domäne der Deutschen , die Hochburg der Prominenten, Elite- und Musterblock, sind die Tschechen eingezogen. Die letzten werden die ersten sein und die ersten die letzten. Beginnt die Vergeltung?

Mächtige Rauchsäulen steigen in der Gegend des Reviers auf. Eine Bewegung geht durchs Lager, als die Ursache be­kannt wird: sie verbrennen die letzten Dokumente und Akten. Schlußẞ in Dachau das ist das Ende.

-

Pahzerspitzen waren bis nach Dachau vorgedrungen, so­genannte Spähwagen. Allein sie haben sich wieder zurück­gezogen. Stündlich erwarten wir ihr Wiedererscheinen. Käufer, der Kommunist, will unmittelbar nach ihrer Ankunft nach