DER VERNICHTUNGSTRANSPORT 199
sich aber doch nicht enthalten, mir das Allerneueste zu ver- raten: die SS türmt in vollen Zügen; den Polizeicapo haben sie wegen Dieberei fast gelyncht; er hat sich deswegen der SS angeschlossen. Drei, nach andern fünf Capos aus Buchen- wald haben sie nicht fast, sondern ganz gelyncht, nämlich aufgehängt wegen Häftlingsdrangsalierung. Gesehen habe ich es nicht, aber auf Swidas glaubwürdiges Gesicht hin
- schreibe ich es auf: schon das Gerücht spricht Bände. Hunger-
visionen? Wohl möglich, denn heute lautete der Morgengruß des Stubenpharaos sehr tröstlich:„Brot gibts heute nicht.“— Dessen ungeachtet esse ich die kümmerlichen Überreste des meinigen-in einem Anfall von Verschwendungssucht auf, desgleichen die Fruchtpaste, die mir Guy Ebrard geschenkt hatte, ein protestantischer Medizinstudent aus Lyon , den ich einmal, als ich mehr hatte als er, bedachte.
Verpflegung ist nur für zwei Tage da; es gilt daher den Riemen noch enger zu schnallen als seither. Höchste Zeit ist es also, daß sie kommen. In andern ‚Lagern, die von ihnen befreit wurden, haben sie eine halbe Stunde nach ihrem
“ Eintreffen bereits Lebensmittel für drei Divisionen aus der
Luft abgeworfen. Wir müssen immerhin mit einer Fastenzeit rechnen; das ist der Preis, den wir für unsere Freiheit gern zahlen. Gerne?
Einige äußern die- Ansicht, daß das ständige Hin und Her nicht ganz zufällig sei. Sie führen es auf eine bewußte Taktik der Lagerleitung zurück, welche, so sagen. sie, mit, einem scheinbaren Eifer sich nach oben zu decken sucht, während sie in Wirklichkeit schon längst zur Übergabe be- reit ist,— eine Annahme, die etwas für sich hat; denn so in der Wolle gefärbt sind nur wenige, daß sie nicht im letzten Augenblick das tun, was ihnen erlaubt, die eigene Haut ins trockene zu bringen.


