Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF

mußten doch antreten

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auch die Kranken; für

sie,

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wurde versichert, stünden Wagen bereit."- ,, Und das Wort des Kommandanten?" stottere ich. ,, Ist das Wort des Kommandanten!" werde ich unbarmherzig im Orakelstil zu Ende belehrt. Jetzt schlägt's dreizehn!

Ich bin bestürzt. Offenbar kann nur eine großartige Anarchie der Befehle und Anweisungen einen solchen Wirr­warr anrichten. Man sollte doch denken, daß das, was in der einen Ecke gilt, auch für die andre gilt. Doch scheint bereits alles drunter und drüber zu gehen. Das Gesetz der sich überstürzenden Bewegung wirkt sich aus.

Den Hertog, der Holländer, begleitet am Harmonium unsern Gesang. Guillaume, sein sympathischer Landsmann, hält eine tiefgrabende Andacht ganz im Stile Karl Heims. Wenn dieser auch keine Schule hat, so macht er doch Schule und wird sie noch viel mehr machen.

Wir sind eben beim Schlußgesang, da erscheint Dittmer ,, Na, das ist doch auch ein Deutscher und doch hier!" fährt es mir durch den Kopf ,,, da werde ein Schwabe klug dar­aus!" Ich bin dabei, am Sinn der Dinge zu verzweifeln, bis ich erfahre, daß die Versammelten bereits wieder vom Platz zurückgekehrt seien. Ein unleidlicher Regen hätte eingesetzt, und da hätten sie in eigener Verantwortung Reißaus genom­men. Man wird an ein Gefährt erinnert, mit dem die Pferde durchgegangen, und das auf der abschüssigen Ebene niemand aufhalten kann.

Das bestätigt auch Hennig, der Prager Journalist, dem ich auf dem Rückweg begegne: ,, Wohin, Gehasi? Was gibt's? die sind ja immer noch da!" ,, Tut nichts", gibt er im Vor­beihasten von sich ,,, die andern sind schon in Freising ". Ich glaub's mit Vorbehalt. Nachprüfen kann ich's nicht. Aber der Panzeralarm", der nun eingesetzt hat, scheint der Parole einen ernsten Hintergrund zu geben. Woher eigentlich der Ausdruck?