Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

stehen. Aber was opfert der Mensch nicht alles für seinen Hunger. Wer wollte mit ihm rechten?

Etwas später.

Auch der Knabe Hiob hat sich in den Schoß des Blocks zurückgefunden. Er empfing mit den andern Marschver­pflegung, worauf sie alle weggeschickt wurden. Das Wei­tere überlassen wir Ihm, der für den Morgen sorgt.

28. April 1945.

Sie flüstern von einem Schreckenszug, der auf dem Dachauer Bahnhof eingetroffen sei. Fünfzig Wagen voller Häftlinge, voll toter Häftlinge! Der Gestank soll furchtbar sein, der durch die Ritzen der verschlossenen Wagen dringt. Doch weigert sich die SS sie zu öffnen.

Später.

,, Panzeralarm!" Die Sirenen heulen uns fürchterlich die Ohren voll, als hätten sie vor, uns das Fünklein Lebensmut, das gerade aufglimmte, wieder auszublasen. ,, Panzer­alarm!" Was das bedeutet, weiß ich eigentlich selbst nicht recht. Bedeutet es wohl, daß Panzer von Uncle Sam ge­sichtet worden sind? Auf jeden Fall etwas Gutes. Die Ge­streiften beglückwünschen sich, denn ihre Spannung war ins Unerträgliche gestiegen. Gott sei Dank, jetzt wird's richtig!

Noch am Morgen schien alles in Frage gestellt. Um fünf Uhr früh waren wir herausgetrieben worden zum Block­appell. Gleich darauf, hieß es, werden wir auf dem Lagerplatz zusammengerufen. Die Evakuierung sei unwiderruflich be­schlossen. Wer kam da noch draus? ,, Rut ut die Kartoffeln, rin in die Kartoffeln!" schilt der Blockfriseur; Schnellohr, der Schönfärber, aber meint, es sei wohl gut so, so wüßten wir wenigstens, wo wir dran sind, worauf sein Gegenpart höhnt: ,, Gut so", murmelte der Regenwurm, als ihn das Huhn entzwei hackte ,,, ich weiß jetzt wenigstens, wo ich