DER VERNICHTUNGSTRANSPORT
183
in die Hand und zum Platz vorstürzen, wo die Blocks bereits aufmarschierten. Noch immer waren wir einigermaßen guter Dinge, weil von den Parolen narkotisiert und den teuren Schwüren der weisen Orakelpriester. Wir fielen daher aus allen Wolken, als es hieß: ,, Reichsdeutsche heraus!" Ein Glück, daß wir zufällig gehört hatten, wer sich krank fühle und marschunfähig, könne sich melden. So ging ich denn mit dem Knaben Hiob , der mich begleitete, hinterdrein in der Absicht, uns nicht an die Spitze zu drängen, sondern uns bescheiden an den Schwanz zu halten, der uns ja auch sonst als der geometrische Ort unsres Aufenthaltes im Lager angewiesen war. Der Knabe Hiob hatte sich zum Zeichen seiner Hinfälligkeit, die übrigens wirklich nicht geheuchelt war, einen großen Stab in doppelter Länge seiner selbst verschafft, auf den gestützt er dahinschritt. Sofort wurde er freilich von einigen schallverstärkenden Gouvernanten gemahnt: ,, Den wird man dir wegnehmen. Weg damit! Er sieht wie eine Waffe aus!" Mein Freund ließ sich jedoch nicht einschüchtern, wozu er in Begleitung einer überlebensgroßen Stange auch nicht den geringsten Anlaß hatte. Wir ernteten denn auch den Lohn für unsere Schwerenöterei und unser Beharrungsvermögen: wir kamen zurück. Der Stubenmogul von Stube 1, den der Knabe Hiob der Sicherheit wegen noch einmal anhieb, erklärte ihm: ,, Was, krank seid ihr? Was tut ihr hier? Ihr hättet auf dem Block bleiben müssen. Marsch, ab!" Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Gern hätte ich auch Fabisch, den Parolenmüller, mitgenommen. Er stand auch unter den Deutschen , hätte sich aber leicht unter Berufung auf sein Alter zurückschlängeln können. Er meinte indessen, er bleibe, wo er sei, es sei der große Haufen, zu dem halte er: dabei blieb er, so daß ich ihn mit schwerem Herzen zurücklassen mußte. Denn des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Auch Lobhausen, der Priester aus Köln , und Fähnerich Stahl, die beiden Freunde


