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DER VERNICHTUNGSTRANSPORT
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der
kreuzes, erwacht wären, wie wir erwartet hatten Inhaber der Parolenmühle hätte einen heiligen Eid darauf abgelegt, daß alles in Butter wäre statt dessen waren wir als die ordinären Häftlinge, welche wir bisher gewesen, erwacht, und nichts hatte sich geändert, nichts. Im Gegenteil, hört nur, was geschah: um 19 Uhr kehrte der Stubenpascha aufgeregt von vorn zurück und gab der Stube verstört einen Befehl bekannt, den niemand zunächst fassen konnte, weil er alle unsere Träume grausam zerstörte:„ Sofort alles packen! Bis 12 Uhr steht das gesamte Lager auf dem Appellplatz!" Unsere Hoffnung stürzte jäh zusammen wie eine vom Blitz getroffene Eiche. Kein Zweifel: wir sollten weg, ausgesiedelt werden, evakuiert, wie man so schön sagt. Wie war es denn möglich? Alle Autoritäten, der Parolenmüller und der Kantinencapo voran, wankten. Auf wen war noch Verlaß? Doch gab ich angesichts ihrer mit soviel Überzeugtheit abgegebenen Parolen die Hoffnung auf eine günstige Wendung nicht auf. Zunächst galt es zu packen. Nichts war vorbereitet, nicht einmal eine Schachtel war zur Stelle, geschweige denn die nötigen Schnüre. Schnell zum Hubersepp! Vielleicht daß er noch eine rettende Geheimparole auf Lager hatte. Ich finde ihn nicht, dagegen lädt mich die gesuchte Schachtel samt den nötigen Schnüren laut ein, sie mitzunehmen, was ich mir nicht zweimal sagen lasse. Unterwegs sehe ich einen Russen mit Lausestraße auf dem Kopf und mächtigem Rucksack auf dem Buckel. Der Rucksack war leer; er hatte ihn, brauchte ihn aber nicht, ich aber brauchte ihn und hatte ihn nicht. Tausch! Wozu hatte ich meine Spargroschen, alias Zigaretten und Tabak? Ich war entschlossen, einen ,, Feinschnitt" zu opfern, hielt ein Päckchen dem Besitzer der Autostraße und Inhaber des Rucksackes mit entsprechender hinweisenden Gebärde unter die Nase, fand ein Tauschtalent von gleichem Rang in ihm und zog im nächsten Augenblick, froh über mein Glück im


