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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
25. April 1945.
Die Morgenmesse ist so gut besucht, daß die Kapelle überfüllt ist. Vergeblich versuchen die am Ausgang Stehenden die Tür zu schließen. Sie öffnet sich immer aufs neue, und jedesmal flutet ein Strom kalter Morgenluft von drauBen herein, die Nacken der betenden Priester wie mit frostigen Händen begreifend. Doch keiner sieht, in Andacht versunken, zurück. Die Litanei zu Ehren des heiligen Markus, dessen Fest heute gefeiert wird, gleicht einem Streifzug durch die Zeit der alten und ältesten Christenheit; ergreifend klingt sie immer wieder auf, die Anrufung der apostolischen Kämpen und Märtyrer: ,, Sancte Petre, Sancte Paule, ora pro nobis!" Märtyrerluft! Die Kette der Blutzeugen reißt nicht ab, und auch dieser Boden hat schon das Blut derer getrunken, die um des Glaubens willen ihr Leben opferten, ohne großes Aufsehen davon zu machen.
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Die Kommunion! Ein feierlicher Augenblick! Sie lassen sich alle in Ehrfurcht auf die Knie nieder, um das Sakrament zu empfangen. Tief verneigt sich jeder, wenn ihm der durch die Reihen wandelnde Priester das geweihte Brot reicht. Danach wiederum ein Anblick von herzbewegender Tiefsinnigkeit umarmen sie sich und geben sich gegenseitig den Bruderkuß. Bei aller Schlichtheit greift dir diese edle Form tief ans Herz. Die Kommunion dauert lange, da so gut wie alle Priester daran teilnehmen. Welch ein Unterschied: diese katholische Treue gegenüber der Gleichgültigkeit unserer Evangelischen! Es gibt sogar eine Anzahl von Pastoren, die es nicht für der Mühe wert halten, die Predigten und Andachten regelmäßig zu besuchen. So klein das Häuflein, es wird noch kleiner bei den Gottesdiensten. Wie mancher, sogenannte Laie gäbe das halbe Leben darum, ungehindert zu Wort und Sakrament zu dürfen; wie kann ein Protestant nur die kostbare Gelegenheit ungenützt lassen?
Gibt es etwas Gewaltigeręs als das Wort, den Hammer,


