Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

25. April 1945.

Die Morgenmesse ist so gut besucht, daß die Kapelle überfüllt ist. Vergeblich versuchen die am Ausgang Stehen­den die Tür zu schließen. Sie öffnet sich immer aufs neue, und jedesmal flutet ein Strom kalter Morgenluft von drau­Ben herein, die Nacken der betenden Priester wie mit frostigen Händen begreifend. Doch keiner sieht, in Andacht versunken, zurück. Die Litanei zu Ehren des heiligen Mar­kus, dessen Fest heute gefeiert wird, gleicht einem Streifzug durch die Zeit der alten und ältesten Christenheit; ergrei­fend klingt sie immer wieder auf, die Anrufung der apo­stolischen Kämpen und Märtyrer: ,, Sancte Petre, Sancte Paule, ora pro nobis!" Märtyrerluft! Die Kette der Blut­zeugen reißt nicht ab, und auch dieser Boden hat schon das Blut derer getrunken, die um des Glaubens willen ihr Leben opferten, ohne großes Aufsehen davon zu machen.

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Die Kommunion! Ein feierlicher Augenblick! Sie lassen sich alle in Ehrfurcht auf die Knie nieder, um das Sakra­ment zu empfangen. Tief verneigt sich jeder, wenn ihm der durch die Reihen wandelnde Priester das geweihte Brot reicht. Danach wiederum ein Anblick von herzbewegen­der Tiefsinnigkeit umarmen sie sich und geben sich gegen­seitig den Bruderkuß. Bei aller Schlichtheit greift dir diese edle Form tief ans Herz. Die Kommunion dauert lange, da so gut wie alle Priester daran teilnehmen. Welch ein Unterschied: diese katholische Treue gegenüber der Gleich­gültigkeit unserer Evangelischen! Es gibt sogar eine Anzahl von Pastoren, die es nicht für der Mühe wert halten, die Predigten und Andachten regelmäßig zu besuchen. So klein das Häuflein, es wird noch kleiner bei den Gottesdiensten. Wie mancher, sogenannte Laie gäbe das halbe Leben darum, ungehindert zu Wort und Sakrament zu dürfen; wie kann ein Protestant nur die kostbare Gelegenheit ungenützt lassen?

Gibt es etwas Gewaltigeręs als das Wort, den Hammer,