Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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DAS TOHUWABOHU

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blick es dir schon warm wird. Nun aber begann mein Stern zu weichen. ,, Na, wie geht's?" fragte ich zur Begrüßung ( Das ,, Heil Hitler " ist und Gestreiften verboten, Gott sei Dank!"). Nicht zum besten!" war die Antwort, deren Klang schon eine gewisse Verlegenheit verriet. Und da griff er auch schon nach der ,, Italienreise", um mir sie zurück­zugeben. Es geniere ihn, sie zu behalten, solang er sich nicht erkenntlich erweisen könne, meinte er. ,, Behalt sie ruhig, ' s ist für das Vergangene!" Nein, widersprach er, es hingen so viele an ihm, er fühle sich doch verpflichtet und sei doch nicht in der Lage, es gut zu machen. Ich merkte seine Ver­legenheit und wagte nicht, weiter in ihn zu dringen. Jede Art von Kneterei ist mir verhaßt. Ich lasse mich nicht kneten und knete auch niemanden. Und so zog ich denn ab, ungetröstet durch Goethes Reisegesellschaft, die mir keinen Ersatz bot für das entgangene Viertel Brotes. 23 Uhr die Glücksstunde ist endgültig versäumt. Und dennoch fühle ich mich nicht unglücklich, denn es muß wahr bleiben, was mir zugesagt ist:

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,, Mein Unglück ist mein Glück,

die Nacht mein Sonnenblick!"

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