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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
will er wissen. ,, Ich weiß es nicht", antworte ich lakonisch, im Geist immer noch auf das imaginäre Zifferblatt starrend, und erinnere ihn daran, daß es die hinduistischen Hungerkünstler 30 Tage und länger aushielten ohne die geringste Nahrung. Aber er ist kein Hungerkünstler, mein Landsmann, nein, auf gut Essen und Trinken hat er in Paris immer Wert gelegt. Wozu hat er 15 Jahre lang in der Legion gedient und ist mit einer guten Pfründe verabschiedet worden doch nicht, um am Hungertuch zu nagen? Und jetzt wollen sie ihn in diesem verruchten und verfluchten Nest dazu bringen und zwingen, dieser nagenden Beschäftigung nachzugehen. Ich versuche, dem armen Tropfen zu helfen, der mich aus seinen fiebrigen blauen Augen so flehend anschaut. Ich sage ihm: ,, Es heißt:, Der Mensch lebt nicht vom Brot allein..., und daran halte ich mich; das genügt mir." Doch er weicht aus: ,, Ja, das ischt scho recht: Du. Aber i fang nix mit solche Faxa an! Die meischde sind bereits ausg'mergelt, weischt, die so käsweiße G'sichter habet, dia müaẞet alle dra glaube!" Ach, Herr Eisenhower , können Sie sich nicht ein wenig beeilen? Der Schritt vom Atlantik nach Augsburg war so groß, und der von Augs burg nach München ist, so klein- warum dauert es so lange? Die Kumpels sind keine gesunden Menschen, bedenken Sie das, sondern einer wie der andere seelisch zermürbt. Wann geben Sie Ihren Fallschirmen den Befehl, unserem Hunger ein Ende zu machen und unsere Narretei zu heilen?
O weh! die Glücksstunde, ich habe sie richtig verschlafen. Und dann kam es, wie es kommen mußte: mein Gefühl sagte es mir. Siegreich drang ich noch durch die Kette der Zerberusse hindurch, welche auf dem Weg zum Paradies der Diätküche Spalier stehen, und da stand er auch, der Koch, in einem Prachtstück von Pullover, bei dessen An


