DAS TOHUWABOHU
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Schuschnigg, Niemöller und der Oberbürgermeister von Wien , Schmitz. Verpflegung für fünf Tage hat man ihnen mitgegeben. Bange Erwartung malt sich auf allen Gesichtern.
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,, Panzerspitzen in Augsburg !" lautet der letzte Fernspruch aber die Häftlinge verzweifeln, es dauert allzulange, die Kraft droht ihnen auszugehen. ,, Da sind sie noch weit von München !" stöhnt der Legionär, die Rosen der Schwindsucht auf den hohlen Wangen.„ Ja," sage ich ,,, als sie am Atlantik standen, fabeltet ihr, der Krieg sei in drei Wochen aus; nun sie in Augsburg sind und in Ingolstadt , murmelt ihr: das kann noch Jahr und Tag gehen. O ihr .Hysteriker!" Wir sind in einem tollen Haus, das muß jeder Beobachter nach dem ersten Gespräch feststellen.- Der Appellplatz wimmelt von Gestreiften, wahren Elendsgestalten, einem Kongreß von Landstreichern und Viehtreibern ähnlich. Ihre Näpfe und Decken haben sie bei sich, es geht für sie zu Ende. Wohin? Niemand weiß es; es sind vornehmlich ungarische Juden, die aus irgendeinem menschenfreundlichen Grund nicht in die Hände der grausamen Alliierten fallen sollen und deswegen wohl mit in die Räuberhöhle verschleppt werden.
Am Himmel, dessen Wolkendecke von einem kalten Nordwind beiseite geschoben worden ist, erscheinen Flieger, aufglänzend im kühlen Licht der Morgensonne. Die Fenster werden aufgerissen: man muß doch sehen, was los ist. Hu, was für ein frostiger Luftstrom in die ohnehin nur mäßig geheizte Stube einbricht. ,, Fenster zu!" Schnatternd vor Kälte brüllen's ein paar Kranke, die um den Ofen kauern und lesen oder sinnieren oder streiten, je nach Veranlagung und Gelegenheit, so der vom Wasser bös aufgeschwollene holländische Reisende in Bäckereiartikeln, der schwindsüchtige Legionär aus Stuttgart und der Biblizist. der den
Fünf Minuten vor Zwölf II


