Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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DAS TOHUW ABOHU

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eines Verbrechens schuldig gemacht hat, es sei durch An­stiftung oder Ausführung.

Aufgeregte Gerüchte gehen um hinsichtlich der Eile, mit der sich die Alliierten München nähern. Sie sollen nur noch 40 Kilometer von der ,, Hauptstadt der Bewegung" ent­fernt sein, welchen Titel, so teuer er sie zu stehen kam, sie in Kürze wird ablegen müssen.-

Soeben taucht Leopold, der Prinz von Preußen, in der Stube auf. Er ruft den Elsässer, den er wohl näher kennen­gelernt hatte, zu sich, um Abschied von ihm zu nehmen. Die Besorgnis, die ihm der Verlauf der Dinge einflößt, kann er nicht ganz verbergen. Meine Frage, ob er mit dieser plötzlichen Wendung gerechnet, verneint er und wen­det sich noch mit einigen Worten zu dem Elsässer, wobei er den Namen des Generals Garibaldi erwähnt. Darauf verabschiedet er sich höflich- herzlich von uns allen, indem er seinem Bekannten noch eine ,, bonne chance" wünscht.

Also auch ein ehemals verbündeter italienischer General ist unter den Geiseln. Ich kenne ihn nicht, aber einen an­dern um so besser, dessen Name geflüstert wird als auch auf der schwarzen Liste stehend: unsern lieben Joos, den ehemaligen Zentrumsabgeordneten, manches Jahr schon hier; zuerst in der Strafkompagnie, erleichterte sich sein Los durch Vermittlung Kührs, des Blockschreibers, der ihm eine Stelle als Registrator im Revier verschaffte; ich bin er­schüttert, daß wir diesen Mann hergeben sollen, der zu den edelsten Gestalten im Lager gehörte. Ich setzte sofort den Hubersepp in Bewegung; ganz der Regel ver­gessend, daß man seine guten Beziehungen nur mäßig benützen solle; damit er mir helfe, sein Nachfolger im Revier zu werden. Nach einigem Hin und Her erklärt er sich bereit, mit dem Capo zu reden, verspricht sich aber