DAS TOHUWABOHU
149 verhüte in Gnaden, daß wir uns von der blinden Leidenschaft nicht hinreißen lassen, und daß wir das gute Recht, die Verbrecher vor die Schranken der Vergeltung zu fordern, verwandeln in das bittere Unrecht, daß wir uns gegenseitig vernichten. Könnte Gott unsere Sehnsucht nach Freiheit erfüllen, wenn wir fest entschlossen waren, ihre erste Stunde dazu zu mißbrauchen, sein heiliges Gebot zu übertreten, indem einer die Hand gegen den andern erhöbe?
Gewiß, diejenigen unter uns, die jahrelang ihre Brüder mißhandelten, um aus ihren Rücken die Stufen zu hauen, auf denen sie zu guten Posten kommen wollten, sie müssen genau so zur Verantwortung gezogen werden wie ihre Auftraggeber. Aber das Gericht sei maßvoll und nicht dem Einfall des Augenblicks überlassen, nicht wende sich Schwarz gegen Rot und Rot gegen Grün, Franzosen gegen Russen, Russen gegen Polen und alle zusammen gegen die Deutschen ! Die Stunde der Freiheit finde uns bereit als ein einig Volk von Brüdern, denen in langen Jahren des Fegfeuers furchtbarer Leiden eine köstliche Frucht gereift ist: das Mitleid mit allen Unterdrückten und Schwachen; und die fähig sind, mit kräftigen Händen am Neubau einer Gesellschaft zu arbeiten, welche nichts so notwendig braucht als Menschen, die im Innersten erneuert worden sind.
Die SS soll sich, heißt es, bereits heimlich rüsten, das Lager zu verlassen. Die Verwaltung werde dem Volkssturm übergeben. Schon stehen die Lastautos bereit, um sie aufzunehmen und für immer wegzuführen. Der ehemalige Kommandant, Weiß, habe die Leitung bereits übernommen, ein Mann, der sich das Vertrauen der Gestreiften zu gewinnen wußte durch die Neuerungen, die er während seiner Amtsführung durchgesetzt hatte. Doch sind das alles nur ,, Parolen". Wir müssen bei der Hinterhältigkeit gewisser Leute damit rechnen, daß unter der Maske der Nachgiebigkeit ein


