FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
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des Gebirges bildete, und der mir verbieten wollte, die Grundlagen des Massivs allzusehr zu unterhöhlen. Ehe es indessen zu internationalen Verwicklungen kam, erblickte ich von weitem auf dem Fenstergesims ein Etwas, das meiner Schachtel auffallend ähnlich sah. Und sie war es, sie war es auch, wie ich, vom Gebirge eilends herunterkletternd, begeistert feststellte. Sie war es, und auch der Inhalt war es bis auf, ja bis auf die Zigaretten, die fehlten samt dem Tabak, wie ich nach einigen Minuten trostlosen Suchens, wenig begeistert, feststellte. Was nützte es, daß sie in zarter Rücksichtnahme die Schachtel dringelassen hatten? Sie war leer, und das genügte. Ich lief umher wie ein begossener Pudel, denn mich traf der Verlust wie ein Schlag, ärger als die Nachricht, daß meine Wohnung ausgebombt sei, von den Nachbarinnen mir auf einer ,, Blitzkarte" mitgeteilt. Denn es traf mich unmittelbarer. Der Tabak war mein Barvermögen, mein Zehrpfennig und Notgroschen, auf den ich mich für den äußersten Notfall in dem undurchdringlichen Dickicht verlassen hatte, das die Zukunft für uns bildet. Vielleicht konnte man so etwas eines Tages notwendig brauchen, wenn es galt, einen Posten sich geneigt zu machen und durch den Stacheldraht ein Loch zu bohren. Allein vielleicht hatte ich mich gerade allzusehr auf diesen Schatz verlassen, und der unsichtbare Erzieher wollte mich an jenes Wort der Bergpredigt erinnern, daß wir uns ,, nicht Schätze sammeln sollten auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nachgraben und stehlen?"
Noch peinigender als der Verlust selber ist das Gefühl des Geprelltseins, der Niederlage gegenüber einem unsichtbaren Gegner, dem es gelang, mich zu überlisten. Viele Monate behauptete ich mein Eigentum seinen Nachstellungen gegenüber, um ihm jetzt doch noch anheimzufallen. Ein Peitschenhieb hätte mich nicht empfindlicher treffen


