FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF 137
Wer weiß, ob mir nicht manch bittere Erfahrung erspart geblieben wäre.
Der Knabe Hiob klagt über zunehmende Kraftlosigkeit in den Knien; er konnte sich gestern nur noch mit Mühe vorwärtsbewegen. Da werden die Lezithinsilberpillen wohl nicht viel helfen, die ich ihm aus der geistlichen Erbschaft schenkte zusamt den Dörrkarotten und den Graupen. Da muß ein anderer eingreifen, wie ER es schon oft getan hat gerade im rechten Augenblick. So hat auch den vierten oder fünften der Quälgeister sein Geschick ereilt: seinen Stubenpascha, der für ihn mit großer Pünklichkeit und
* Ausdauer. stets das kleinste Stück Brot oder Wurst aus-
suchte und zum. Ausgleich nicht sparte mit großen Worten voll Hohns und bittrer Galle. Dieses Muster eines Moguls ist plötzlich abgebaut und in die Strafkompagnie ver- pflanzt worden, weil er einem französischen Paket gegen- über die Bedeutung des 7. Gebots vergessen hatte.
Dem lieben Trossch, dem professoralen Grafen und gräf- lichen: Professor, Mitbesitzer mehrerer Schlösser, so uralt wie sein Adel, bin ich zu meiner Freude nach langer Zeit wieder auf der Lagerstraße begegnet. Nicht zu ‚meiner Freude sah er sehr elend aus, vollends, da sie ihn ihrer Gepflogenheit gemäß in richtigen Gaunerlumpen aus dem Revier entlassen hatten. Er ist gewissermaßen von den Toten auferstanden, hat er doch beide Typhusarten durch- gemacht und ist so heruntergekommen, daß er nur noch 45 kg wiegt. Bei seiner erklecklichen Leibeslänge fehlen ihm wenigstens 80 Pfund! Leider kann ich ihm nicht so helfen, wie ich gerne möchte. Es ist ein Jammer, daß wir nur die Wahl haben, einen einzigen recht zu unterstützen oder mehrere schlecht. Ich ziehe das erstere vor. Doch hörte ich inzwischen, daß er ein gutes Kommando bekommen hat: als Postschreiber. Da fällt manches ab aus zerrissenen und beschädigten Rotkreuzpaketen. Ist die Stelle auch we-


