Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

Im Komplikationshauptamt eifern sie ebenfalls dem Ideal nach, allerdings gezwungen: die Adressenliste schrumpft weiter zusammen Hildesheim , Verden , Bremen müssen gestrichen werden.

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Heiliger Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand und ebensolche Ritter Franz, Frundsberg und Prinz Eugen

warum tragt ihr es so nach, daß das ,, Porzellan" nicht rechtzeitig eure Bilder fertigstellte? Warum so unerbittlich? Oder gebt ihr so gar nichts drauf, daß sie euch der Ehre der Altäre in einem rein nordischen Göttertempel wür­digen? So tut doch einen Zug und gebietet den rückfluten­den Bewegungen am Rheine Einhalt!-

12. April 1945.

Eine entscheidende Vereinfachung steht in Aussicht, die manchem Schwachen, der ohnehin auf dem letzten Loch pfeift, das Todesurteil bedeuten wird: von Montag ab soll die Brotzeit wegfallen. Und da die Brotzeit in diesem Lande gleichbedeutend ist mit dem lieben Brot selber, das wir zum Frühstück bekommen, so hätte das Gerücht, wenn es sich bewahrheitete, nicht bloß platonische Folgen. Doch kann bis Montag noch manches passieren: ,, Da kann der Krieg aus sein", meint der Optimist von einem Huber­sepp, und mein Nachbar an der Schreibmaschine, der Hol­länder, ein wackerer Graukopf mit einem guten Schuß Christentums, beruft sich auf die Barmherzigkeit des Herrn­Befehls: ,, Sorget nicht für den andern Morgen!" Und dabei mag es sein Bewenden haben. Die Angst vor dem Kom­menden ist immer schlimmer als das Kommende selber. Wie oft habe ich das erfahren! Aber selbst wenn wir den Riemen noch enger schnallen müssen das Fasten hat mir bisher nicht geschadet, im Gegenteil, ich hätte vielleicht draußen gut getan, das Jesuswort genauer zu erwägen: ,, Diese Art fährt nicht aus als durch Fasten und Beten!"

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