Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
122
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I22

FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

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Na,

Nachspeise in Form eines Schokoladepuddings. alter Adam, hättest wohl nicht geglaubt, daß das Fasten so wenig bekömmlich sei? Schadet aber nichts für Leute, die doch auf dem Aussterbe- Etat stehen, und zu denen gehörst du ja wohl auch! Verstanden!

Die Amerikaner südlich Crailsheim ! Ich traue meinen Augen nicht. Und Saalbach, Streichental, Neubronn- all die Orte bei Rothenburg , mit so schönen Erinnerungen ver­bunden, tauchen vor dem inneren Blick auf und mit ihnen die unvergeßlichen Gesichter, der Fritz und der Georg, die stillen Marien, Rösle, das gute, und Pauline und Frieda- sind sie noch am Leben? Wie haben sie die vorübersausende wilde Jagd eines modernen Krieges überstanden, die er­leben zu müssen in ihrem schönen fränkischen Ländle ihnen nie eingefallen wäre!-

Die bankrotten SS- Jungens: wie begossene Pudel sehen sie aus, wenn sie vom Radio- Empfang zurückkommen. Eine ganze Anzahl von ihnen wäre lieber, wo der Pfeffer wächst, denn viele sind gegen ihren Willen zu dieser Truppe ge­zogen oder gar aus der Wehrmacht versetzt worden.

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Später.

,, Du hast ja wahrhaftig auch ausgesehen wie eine Wachs­puppe, Alterchen, weißt du noch, bei deinem Transport damals? Aber gegen die armen Tröpfe von heute morgen wart ihr fette Mastochsen! So was war noch nie da: ab­gemagert bis auf die Knochen, die reinen Spazierstöcke!" Diese Ansprache hörte ich heute morgen auf dem Appell­platz mit an, und nun sahen wir selbst durchs Fenster der Kanzlei den Elendszug von der Bahnstation, wo er als Transport angekommen war, zum Lager schleichen. Wahr­haftig! Ihnen gegenüber waren wir die reinen Fettgänse. Spindeldürr wie Spazierstöcke zogen sie an uns vorüber,