Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

war nicht mein Artikel. Aber nun machten sie sich ans Paketgebirge, o weh! Das wurde schon schlimmer für mich. Doch da sie sich nur um die caissons der Franzosen küm­merten, ging die Gefahr auch hier vorüber. Wir durften einrücken, das Reich war aus einer schweren Gefahr gerettet. Und wir auch! Ein Stein fiel mir vom Herzen, und ich dankte für die Bewahrung. Aus den Schuhen, wohin ich sie in der Eile gesteckt hatte, zog ich die kleinen Notiz­bücher und die Geldscheine, um die letzteren wieder dem ,, Kassenschrank" anzuvertrauen, wo sie doch am sichersten aufgehoben sind. Dann gings wieder in die Betten, deren zweie immer dreie von uns aufnehmen mußten, und wir zogen die Decken wieder soweit als möglich über die Ohren, um im Traume die unvollkommenste aller Welten möglichst vollkommen zu vergessen.

8. April 1945.

Ob Pfarrer Zippel sein Eisenach erreicht hat? Und wie fand Kaiser sein ehemals so schönes Dresden vor? Ob sie heute noch an uns denken, sich vielleicht nach uns zu­rücksehnen? Diese Befürchtung spricht der Knabe Hiob aus, der in seinem zum Argwohn neigendem Gemüt geneigt ist, der Stapo wie man es ja eigentlich muß alles Schlechte zuzutrauen und bei der ganzen Entlasserei an eine Falle zu denken, deren romanhafte Ausgestaltung er unserer Phantasie überläßt. Er deutet seine düsteren Ver­mutungen über das von ihm befürchtete Schicksal der Prie­ster und Prädikanten in der sogenannten Freiheit nur in unbestimmten Worten an. Man kann nur wünschen, daß er zu schwarz sehe, und doch ist sein mißtrauisches ,, Trau schau wem!" angesichts unserer Erfahrungen durch­aus nicht unangebracht.

Der Parolenmüller hat heute ein recht nahrhaftes Korn gemahlen: die Kommandanten hätten die Anweisung von