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FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
krank. So spiegelt sich bei uns im kleinen wider, was draußen im großen geschieht, und es spiegelt sich deutlich auch in den Mienen unserer uniformierten Vögte wider. So mancher von ihnen gibt klein bei und hält es offen oder versteckt mit den Häftlingen, bereit, lieber heute als morgen seine Uniform mit unsern Fetzen einzutauschen, denn diesen Fetzen, denen gehört die Zukunft.
Schon wird im Bericht Eisenach erwähnt. Ob auf der Wartburg bereits das Sternenbanner weht? Lieber sähen wir es immer noch als das Hakenkreuz, welches vor einigen Jahren das Christenkreuz ersetzen sollte. So wurde mir damals vom Direktor der ,, Glocke" in Eisenach erzählt, kurz nachdem es sich ereignete: schon hatte der Gauleiter unter festlichem Gepränge das Kreuz vom Turme entfernen und das Hakenkreuz an seine Stelle setzen lassen, indem er versicherte, daß es ewig da oben über Thüringens Wälder hinleuchten werde. Die Ewigkeit war nach drei Tagen zu Ende: die Großherzogin von Sachsen- Weimar- Eisenach sandte als Schutzherrin der Wartburgstiftung eine Protestdepesche an Hitler . Da gab der als Antwort durch den Draht den Befehl, das Kreuz wieder an seine alte Stelle zu setzen, was auch umgehend geschehen ist.
Beim Einrücken sahen wir ein erschütterndes Bild: eine Gruppe von Kindern marschierten an uns vorüber, Pimpfe, die kaum dem Knabenalter entwachsen waren. Doch wie! Sie haben ja schon Uniformen an, diese Dreikäsehochs! Und seht nein, es ist nicht möglich und doch, wir täuschen uns nicht: um die Schultern hängt jedem von ihnen ein Gewehr, ein richtiges Schießgewehr, keins zum Spielen! Die Serben, können sich nicht halten vor Lachen und geben unbekümmert um den Posten, der uns begleitet, ihrem Spott Ausdruck. Mir aber wird es wind und weh ums Herz. Wie ein Blitz erhellt mir dieses Bild die wahre Lage unseres Volkes. Ich mußte an die verstiegenen Worte


