FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
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Ich besuchte heute morgen die Andacht. Pfarrer Dittmer hielt sie und sprach in kräftiger Weise über die unvergleichliche Bedeutung des SOHNES nach einem Wort aus dem Hebräerbrief.
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,, Der Krieg ist jetzt wie ein schlechtgespieltes Drama, wo man nur noch auf das Ende wartet!" Dieses Bonmot stammt vom Schulmeister, dem Lothringer. Ob es aber die genaue Fassung des Ausspruches ist, kann ich nicht beschwören, denn eine Wiederholung lehnte er entsetzt ab, als er meinen gezückten Bleistift sah. ,, Nein, nein! Notizen sind gefährlich, das lasse nur bleiben!" Und damit mußte ich mich begnügen.
Um einen der hilfreichsten und liebenswürdigsten Männer trauern wir sehr, obwohl wir es ihm von Herzen gönnen, daß er diese unwirtliche Stätte verlassen durfte: Pfarrer Siefer. Er hat es sich nicht verdrießen lassen, sich zu unserm kleinen Kreis zu halten, hat uns manches stärkende Wort gesagt, ja sogar unsere Abende, als wir sie in der Kapelle halten durften, mit Windgasse, dem Evangelisten, zusammen durch ein Duett bereichert. Er ist einer der Ausländer gewesen, die tief in ihre Pakete griffen, um ihre Schätze mit den mehr und mehr verarmenden Deutschen zu teilen, eine Freigebigkeit, die man nicht jedem von ihnen nachrühmen konnte. So habe auch ich einen sehr nahrhaften Denkzettel zum Abschied bekommen, einen ganzen Arm voll: Honiglebkuchen, Ölsardinen, Fruchtpaste und Tabak, gegen welchen ich mir ungeachtet einer dro
henden Wiederholung des Aufenthalts im Fischbauch Brot einzutauschen gedenke.
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6. April 1945.


